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Back to the Basics?

Ethik, Verantwortung, Qualität – dies sind Fundamente des Journalismus, ohne die eine ernsthafte Berichterstattung kaum möglich erscheint. „The Basics of Journalism“ lautete folgerichtig auch der Titel einer internationalen Fachtagung, die sich am vergangenen Wochenende mit diesen Themen auseinandersetzte.

26 zum Teil hochkarätige Referenten aus dem Aus- und Inland waren der Einladung von Klaus-Dieter Altmeppen nach Eichstätt gefolgt. Gemeinsam spürten sie verschiedenen Konzepten der Journalismus- und Medienethik nach, verglichen normative Qualitätskriterien mit den Ansprüchen und Erwartungen des Publikums und fragten sich, was dies alles in Zeiten des digitalen Medienum­bruchs bedeuten möge. Eine Antwort im Sinne des Tagungsmottos lag nahe: Back to the Basics! Oder? – Nicht zwingend, wie die verschiedenen Vorträge zeigten. Sie näherten sich den verhandelten Themen aus höchst unterschiedlichen Perspektiven und lieferten dementsprechend auch verschiedenartige Problemlösungen.

Einen eher analytischen Blickwinkel nahm beispielsweise Clifford G. Christians (University of Illinois) ein. Er versuchte, allen konstruktivistischen Unkenrufen zum Trotz, den Begriff der Wahrheit („Truth“) als universelles Konzept der Journalismusethik zu revitalisieren. Auf breiter philosophischer Basis erläuterte er die Idee der aletheia und wendete sie auf seinen Untersuchungsgegenstand an: Journalisten dürften Wahrheit nicht als reine Ansammlung von Fakten missverstehen, sondern müssten stattdessen versuchen, unter die Oberfläche zu schauen. Ziel ihrer Berichterstattung könne nicht die bloße Wiedergabe externer Ereignisse sein, sondern eine möglichst authentische Offenlegung der Zusammenhänge – oder in Christians‘ Worten: „getting to the heart of the matter“. Derartig verstanden, sei Wahrheit für den Journalismus auch heute noch, ungeachtet aller Vorbehalte, ein zentraler Bezugspunkt.

Einen eher normativen Zugang zum Tagungsthema wählte unter anderem Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum). Sie stellte die UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in den Mittelpunkt ihres Vortrags und forderte, den Diversity-Begriff als zentrale Kategorie journalistischer Berufs­ethik anzuerkennen. Ihren Appell untermauerte sie durch viele konkrete Vorschläge, wie dies im redaktionellen Alltag umgesetzt werden könnte.

Auch die empirisch-deskriptive Perspektive kam bei der Eichstätter Tagung nicht zu kurz: So stellte etwa Thomas Hanitzsch (Universität Zürich) einige neue Befunde aus seiner international vergleichenden „Worlds of Journalisms“-Befragung vor und konnte dabei zeigen, dass die ethischen Ideologien in unterschiedlichen journalistischen Kulturen stark differieren. C. Ann Hollifield und Lee B. Becker (University of Georgia) kombinierten die Daten zweier unterschiedlicher Erhebungen und wiesen damit nach, dass die gängigen berufsethischen Konventionen gegenwärtig weltweit einem Erosionsprozess unterworfen sind. John McManus (San José State University) präsentierte eine von ihm entwickelte „scorecard“ zur Messung der Qualität journalistischer Nachrichten. Damit griff er vor auf ein späteres Panel, in dem Hugh J. Martin (Ohio University) und Klaus Arnold (KU Eichstätt) weiter ausgreifende Konzeptionen journalistischer Qualität erörterten.

Die eigentlich drängenden Fragen gerieten jedoch erst am dritten Konferenztag in den Fokus: Welche Implikationen ergeben sich aus der zunehmenden Medienkonvergenz? Brauchen wir vor allem für den Online-Journalismus neue professionelle Standards? Die Antworten in den Vorträgen und den angeregten Diskussionen fielen zwiespältig aus: Zwar behalten die fundamentalen Übereinkünfte der Journalismus­ethik offenkundig auch angesichts des Medienwandels ihre Gültigkeit. Gleichzeitig kommen jedoch neue Herausforderungen dazu. So arbeitete beispielsweise Renita Coleman (University of Texas) in ihrer Präsentation einige spezifische Fallstricke heraus, die sich bei einer journalistischen Internet-Recherche ergeben können. Und Ari Heinonen (Universität Tampere) zeigte anhand eines Vergleichs europäischer Ethikkodizes, dass die nationalen Institutionen der Medienselbstregulierung diesen und anderen neuen Problemdimensionen bislang in keinster Weise gerecht werden.

Mit einem einfachen „Back to the Basics!“ ist es ganz offensichtlich nicht getan. Ethik, Verantwortung und Qualität bleiben zentrale Themen für die Journalismusforschung – angesichts noch zu erwartender Wandlungsprozesse mehr denn je!