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Weblogs und Social-News-Plattformen im Journalismus

“Themenscan im Web 2.0″ lautet der Titel eines lesenswerten Aufsatzes in der neuen Ausgabe (Heft 2/2009) der “Media Perspektiven“. Darin untersucht Jan Schmidt gemeinsam mit Beate Frees und Martin Fisch von der ZDF Medienforschung die neuen Öffentlichkeiten im Social Web. Forschungleitend ist für sie die Frage, welche Bedeutung vor allem Weblogs und Social-News-Plattformen für den professionellen Journalismus haben. Ihr Fazit: Soziales Netz und Journalismus stehen durchaus in einem Konkurrenzverhältnis, gleichzeitig entfalten Blogs und Social-News-Plattformen für Journalisten jedoch einen hohen praktischen Nutzwert:

Zwar stehen die klassischen Massenmedien im Web 2.0 in Aufmerksamkeitskonkurrenz zu nichtinstitutionellen Anbietern, die möglicherweise aus Sicht mancher Rezipienten ungerichtete oder konkrete Informationsbedürfnisse sowie thematische und gruppenbezogene Interessen besser befriedigen. Die Inhalte etablierter Medienorganisationen sind allerdings auch ein wichtiger Bestandteil der beschriebenen neuen Themen- und Nachrichtenkreisläufe und machen in vielen Fällen die Mehrheit der aufgegriffenen Inhalte aus. Sie werden dadurch einem erweiterten Personenkreis zugänglich, was durch den Effekt verstärkt werden kann, dass die Position in Suchmaschinen durch die Verlinkung der aufgenommenen Themen erhöht wird. Der zusätzliche Rückkopplungskanal, der über das Feedback auf der eigenen Internetpräsenz hinausgeht, kann zudem Informationen über Relevanz und Beurteilung der eigenen Inhalte beim Publikum liefern. In dieser Hinsicht können die Webangebote der klassischen Massenmedien von Weblogs und Social-News-Plattformen im Web 2.0 auch profitieren. (Schmidt/Frees/Fisch 2009: 58)

Was dies konkret für den journalistischen Alltag bedeutet, zeigen die Autoren mit einem Vergleich ausgewählter Social-News-Plattformen (Digg, Yigg und Wikio) und Blogmonitoring-Dienste (Technorati, Blogpulse, Rivva und Google Blogsearch). Vor allem Letztere können, sofern richtig eingesetzt, im Rechercheprozess ein wichtiges Hilfsmittel sein. Aktuelle Befragungs- und Beobachtungsstudien zeigen jedoch, dass die meisten Journalisten bei der Internetrecherche kaum über eine einfache Google-Suche hinauskommen. Gerade deswegen wäre es wichtig, dass die von Jan Schmidt et al. vermittelten Befunde auch in den journalistischen Redaktionen zur Kenntnis genommen werden. In diesem Sinne halte ich den Aufsatz nicht zuletzt für (angehende) Journalisten für eine wichtige Lektüre.

Literatur:

Schmidt, Jan/Frees, Beate/Fisch, Martin (2009): Themenscan im Web 2.0. Neue Öffentlichkeiten in Weblogs und Social-News-Plattformen. In: Media Perspektiven, Heft 2/2009, S. 50-60. Online unter http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/02-2009_Schmidt.pdf

Steckt der Online-Journalismus in der Aktualitätsfalle?

Das Institut für Journalistik beteiligt sich heute und morgen mit einer Vertiefungsveranstaltung am Studium Fundamentale der TU Dortmund. Das übergreifende Thema unseres Blockseminars lautet “Beschleunigte Informationsprozesse und Journalistische Qualität”. Auch ich habe am heutigen Veranstaltungstag einen Vortrag beigesteuert: “Qualitätssicherung auf der Datenautobahn — Steckt der Online-Journalismus in der Aktualitätsfalle?” Hier kommen nun — wie versprochen — die Folien zu meiner Sitzung:

Den Veranstaltungsteilnehmern sei an dieser Stelle noch einmal herzlich für ihre aufmerksame Mitarbeit gedankt. Falls es nachträglich noch Rückfragen oder Anmerkungen gibt: Ab damit nach unten in die Kommentare! ;)

Studie zur journalistischen Internet-Recherche — jetzt auch online

Bereits vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle auf die breit angelegte Leipziger Erhebung zur journalistischen Recherche im Internet hingewiesen, deren Ergebnisse der Vistas-Verlag in Buchform veröffentlicht hat. In der neuen Ausgabe der “Media Perspektiven” (Heft 10/2008) legen Marcel Machill und Markus Beiler die wichtigsten Befunde nun noch einmal in Aufsatzform vor. Im Vergleich zum Buch kann der Beitrag keine neuen Erkenntnisse bringen. Schön ist aber, dass alle zentralen Tabellen nun auch online und frei verfügbar sind. Hier geht’s zum Text!

Literatur:

Machill, Marcel/Beiler, Markus/Zenker, Martin (2008): Journalistische Recherche im Internet. Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online. Berlin: Vistas.

Machill, Marcel/Beiler, Markus (2008): Die Bedeutung des Internets für die journalistische Recherche. Multimethodenstudie zur Recherche von Journalisten bei Tageszeitung, Hörfunk, Fernsehen und Online. In: Media Perspektiven, Heft 10/2008, S. 516-531.

Neue Studie: Netz verändert die Recherchekultur

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Google ist (noch) nicht das journalistische Rechercheinstrument Nummer eins. Aber dennoch: Computergestützte Wege der Informationsbeschaffung haben sich in den Redaktionen auf breiter Ebene etabliert und beeinflussen die Recherchekultur nachhaltig. Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer neuen Studie, die der Leipziger Lehrstuhl für Journalistik II heute im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Kernstück der Mehrmethodenerhebung war eine Beobachtung von 235 Journalisten bei 34 Medien-Angeboten (Print, Hörfunk, Fernsehen und Online). Sie wurde ergänzt durch eine standardisierte Befragung und ein Experiment, mit deren Hilfe analysiert werden sollte, wie Online-Recherchierverfahren den journalistischen Alltag verändern.

Die Auswertung der Daten von Marcel Machill, Markus Beiler und Martin Zenker zeigt: Das am meisten verwendete Recherchemittel ist nach wie vor das Telefon (15% aller beobachteten Handlungen). Insgesamt überwiegen jedoch computergestützte Recherchetätigkeiten gegenüber klassischen, nicht computergestützten Wegen der Informationsbeschaffung (47 zu 41%). Als wichtigste computergestützte Recherchetools führen Machill und sein Team E-Mails (12%), Suchmaschinen/Webkataloge (8%) und redaktionelle Websites (ebenfalls 8%) an.

Der zunehmende Einfluss des Internets auf den Recherche-Alltag manifestiert sich der Studie zufolge in einigen beunruhigenden Trends: So weisen die Autoren darauf hin, dass in den Redaktionen kaum noch Überprüfungsrecherchen (Quellencheck, Faktenkontrolle etc.) stattfinden. Im Gegensatz zu anderen Teilschritten einer journalistischen Recherche nehmen sie mit 8 Prozent einen vergleichsweise geringen Stellenwert ein.

Problematisch sei außerdem die zunehmende Selbstreferenzialität im Journalismus. Denn: Journalisten greifen bei ihrer Recherche im Netz vorwiegend auf andere journalistische Produkte zurück und nicht etwa auf Primärquellen wie Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen.

Bei der Präsentation der Studie im Haus der Bundespressekonferenz diskutierten verschiedene journalistische Praktiker über mögliche Konsequenzen aus den Befunden. Mehr oder weniger einhellig forderten sie eine verbesserte Rechercheförderung. Dabei griffen sie auch einige der von Machill et al. formulierten Handlungsempfehlungen auf. Hilfreiche Maßnahmen seien u. a. Recherchestipendien oder eine Formulierung einheitlicher Ausbildungsinhalte. Machills Anregung, als Gegenstück zu Google eine unparteiische und genossenschaftlich finanzierte Suchmaschinentechnologie für alle deutschen Medienunternehmen zu entwickeln, wurde in der Diskussion als unrealistisch verworfen.

Insgesamt kann die Studie zwar keine wirklich überraschenden neuen Erkenntnisse hervorbringen. Ihr kommt jedoch das Verdienst zu, den Zustand der journalistischen Recherchekultur in Deutschland erstmals auf verlässlicher empirischer Basis zu dokumentieren. Es ist zu hoffen, dass Medienpolitik, journalistische Praxis sowie Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung die Befunde zur Kenntnis nehmen und jeweils eigene Konsequenzen daraus ziehen.

Eine offizielle Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ist hier abrufbar.

Literatur:

Machill, Marcel/Beiler, Markus/Zenker, Martin (2008): Journalistische Recherche im Internet. Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online. Berlin: Vistas.

Foto: Peter HimselÂ