Ich war noch nie in Kentucky. Und ein großer Freund des Pferdesports bin ich auch nicht. Dennoch hat das traditionsreiche Kentucky Derby für mich eine gewisse Strahlkraft. Das hängt vor allem mit Hunter S. Thompsons großartiger Reportage “The Kentucky Derby is decadent and depraved” zusammen. Erstveröffentlicht im Jahr 1970 in der Juni-Ausgabe von “Scanlan’s Monthly”, zählt sie zu den Klassikern der New-Journalism-Literatur, nicht zuletzt aufgrund ihrer späteren Anthologisierung in Tom Wolfes Sammelband “The New Journalism”. Der rasende, fast psychotische Erzählstil macht den Text zu einem anschaulichen Beispiel für Thompsons so genannte Gonzo-Berichterstattung, die später in Buch-Projekten wie “Fear and Loathing in Las Vegas” ihre weitere Ausformung fand.
Die Hochphase des Gonzo Journalism liegt inzwischen lange hinter uns, die Strahlkraft des Derbys ist jedoch ungebrochen. Das Louisville “Courier-Journal”, die Lokalzeitung vor Ort, lieferte am vergangenen Wochenende den eindrucksvollen Beweis dafür. In ihrer Internet-Ausgabe widmete sie der 134. Auflage der Sportveranstaltung ein umfängliches Special. Neben zahllosen Fotostrecken und Bewegtbild-Einspielern finden sich dort auch mehrere Blogs zum Thema und vielfältige Möglichkeiten zur Leserbeteiligung. Ganz “state of the art” eben. Was hätte Hunter S. wohl dazu gesagt? (via)
Literatur:
Hunter S. Thompson (1996): The Kentucky Derby is decadent and depraved. In: Tom Wolfe: The New Journalism. With an anthology edited by Tom Wolfe und E. W. Johnson. London etc.: Picador, S. 195-211.
Foto: Jeff Kubina











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