Tag-Archiv für 'selbstkontrolle' pt. 2 von 4



Zivilgesellschaftliche Medienregulierung

In München ist gestern die Jahrestagung des Netzwerks Medienethik zu Ende gegangen. Die Veranstaltung stand unter dem Titel “Medien- und Zivilgesellschaft” und wurde in Kooperation mit der DGPuK-Fachgruppe “Kommunikations- und Medienethik” sowie der Sektion “Medien- und Kommunikationssoziologie” der Deutschen Gesellschaft für Soziologie ausgerichtet. Einen inhaltlichen Schwerpunkt bildete die medienethische Auseinandersetzung mit WikiLeaks — Friedrich Krotz, Caja Thimm, Michael Haller und Matthias Rath lieferten hierzu anregenden Input.

Ich habe mich mit einem Vortrag zu einigen Teilbefunden aus unserem MediaAcT-Projekt am Programm beteiligt. In der (gemeinsam mit Janis Brinkmann und Andreas Sträter erarbeiteten) Präsentation habe ich aktuelle Befunde aus unseren Experteninterviews vorgestellt, die wir in den vergangenen Monaten zur Exploration web-basierter Accountability-Prozesse in der deutschen Medienlandschaft durchgeführt haben. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, inwiefern Akteure der Zivilgesellschaft über das Social Web an der Diskussion über journalistische Qualität partizipieren können. Das Fazit musste am Ende ambivalent ausfallen: “Wenigstens fallweise können Medienblogs und Co. durch die Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteure einen erheblichen Einfluss auf den professionellen Journalismus erwirken. Ein funktionsadäquater Ersatz für eine brancheninterne Selbstregulierung sind sie jedoch nicht.” Ein Kurzabstract findet sich auf der Tagungshomepage, im Folgenden dokumentiere ich auch die vollständige Präsentation:

Ein Tagungsband mit Aufsätzen zu sämtlichen Vorträgen ist in Vorbereitung — hierzu zu gegebener Zeit mehr!

Literaturdatenbank zur Medienselbstregulierung

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Die erste Phase des komparativen Forschungsprojekts “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) neigt sich dem Ende zu. Nachdem alle 13 Projektpartner in den vergangenen Monaten in eine Literaturstudie zur Erschließung des Themas vertieft waren, konnten wir in dieser Woche zwei wesentliche Bausteine der ersten Projektphase abschließen. Zum einen ist das Manuskript für unseren ersten Sammelband fertig: Das Buch erscheint im kommenden Jahr im Halem Verlag und versammelt verschiedene State-of-the-art-Berichte zur media accountability in den einzelnen Ländern unseres Projekts. Zum anderen haben wir auf der Projekt-Homepage eine umfangreiche Literaturdatenbank freigeschaltet, in der gegenwärtig gut 850 internationale Publikationen zum Themenkreis “Medienethik — Medienselbstkontrolle — media accountability” versammelt sind. Die Datenbank richtet sich vor allem an Forscher und Studierende, die sich einen strukturierten Überblick über den Forschungsstand verschaffen wollen. Sie wird in den kommenden Jahren fortlaufend ergänzt. Hinweise auf relevante Neuerscheinungen nehme ich daher gerne entgegen!

Medienselbstkontrolle im Wandel

jojo.jpgDie aktuellen Wandlungsprozesse im Journalismus stellen auch die publizistische Selbstkontrolle vor neue Herausforderungen: Sind die etablierten Einrichtungen der Selbstregulierung ausreichend auf die fortschreitende Digitalisierung und den Trend zu Crossmedia vorbereitet? Wie ist angemessen mit der Internationalisierung der Medienkommunikation umzugehen? Diese und andere Fragen stehen im Mittelpunkt der neuen Ausgabe (Nr. 2/2010) unseres Dortmunder “Journalistik Journals”. Die Hefte werden seit dieser Woche ausgeliefert, auch die Online-Ausgabe ist inzwischen auf dem neusten Stand.

Der Themenschwerpunkt zur Medienselbstkontrolle enthält zahlreiche Beiträge, die im Kontext des internationalen Forschungsprojekts “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) entstanden sind. Susanne Fengler fragt — unter Rückgriff auf eine ökonomische Theorie journalistischen Handelns — nach möglichen Anreizen für Medienselbstkontrolle; Colin Porlezza, Stephan Ruß-Mohl und Marta Zanichelli stellen Ergebnisse ihrer Fehlerforschung vor und erörtern die Chancen von Korrekturspalten als Instrument der Media Accountability; Huub Evers lotet die Potenziale von Ombudsleuten als Instanz redaktioneller Kritik aus; Matthias Karmasin diskutiert das Konzept der Corporate Social Responsibility als Bestandteil gelingender Selbstregulierung; und ich selbst untersuche die Beschwerdearbeit des Deutschen Presserates im Jahr 2009 — dem ersten Jahr, in dem auch Beschwerden über online-journalistische Beiträge zugelassen wurden.

In der Printausgabe finden sich noch eine ganze Reihe anderer Texte — es lohnt sich also ein Blick in das Heft. Wer an einem (kostenlosen) Bezug der Zeitschrift interessiert ist, wendet sich am besten direkt an die Redaktion (also an mich)!

Brauchen wir einen Presserat für den Online-Journalismus — und wenn ja, wie viele?

“Journalismus in einer digitalen Welt — Prognosen, Erwartungen, Fragen” lautete der Titel einer Fachtagung, die heute auf Einladung des Instituts für Zeitungsforschung in Dortmund stattfand. Inhaltlich drehte sich alles um die aktuellen Wandlungserscheinungen im Journalismus: Claus Eurich sprach über “Die neue mediale Unübersichtlichkeit als ethische und inhaltliche Herausforderung”, Klaus Meier “Über die Veränderung publizistischer Qualität durch das Internet” und Christian Nuernbergk schließlich über die “Chancen einer integrierten Öffentlichkeit” im Web 2.0.

Ich selbst hatte das (zweifelhafte) Vergnügen, am frühen Nachmittag parallel zum zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu referieren. Die ganz große Fluktuation, die ich zunächst befürchtet hatte, blieb dann allerdings doch aus, sodass ich ausreichend Ruhe hatte, um meine Befunde zu präsentieren. Für meinen Vortrag hatte ich die Beschwerdearbeit des Deutschen Presserats im Jahr 2009 analysiert — dem ersten Jahr, in dem der Presserat nicht mehr nur für Presse-Erzeugnisse, sondern auch für online-journalistische Publikationen zuständig war. Im Ergebnis zeigte sich, dass vor allem der Umgang mit Nutzerkommentaren und sonstigem User Generated Content den Presserat vor Herausforderungen stellt, die eine Neuausrichtung der journalistischen (Presse-)Selbstkontrolle notwendig machen.

Für Interessierte stelle ich im Folgenden die Präsentationsmaterialien zur Verfügung:

Das vollständige Programm der Tagung findet sich hier.

MEDIADEM: Europäische Medienpolitik revisited

medidem.pngIn Athen fand gestern und vorgestern der Auftakt-Workshop des international vergleichenden Forschungsprojektes MEDIADEM (”European Media Policies Revisited: Valuing and Reclaiming Free and Independent Media in Contemporary Democratic Systems”) statt. Ziel ist es, die Rahmenbedingungen der Medienpolitik in 14 europäischen Staaten zu untersuchen und Entwicklungsperspektiven für eine freiheitliche und demokratische Medien(selbst)regulierung aufzuzeigen. Das Projekt hat eine Laufzeit von drei Jahren und wird von der Hellenic Foundation for European and Foreign Policy (ELIAMEP) koordiniert. Ebenso wie unser Dortmunder Projekt zur “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) wird es im siebten Forschungsrahmenprogramm der EU finanziell gefördert.

Gemeinsam mit Susanne Fengler, die auch im Advisory Board von MEDIADEM aktiv ist, habe ich an dem Workshop teilgenommen, um Kooperationsmöglichkeiten für das MediaAcT-Projekt auszuloten. Tatsächlich gibt es gewisse Schnittmengen, die einen vielversprechenden Austausch sinnvoll erscheinen lassen. Sicherlich werden wir die Zusammenarbeit zwischen den beiden Projekten sehr bald intensivieren. Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich in der kommenden Woche, wenn Evangelia Psychogiopoulou, die Koordinatorin von MEDIADEM, uns beim nächsten MediaAcT-Arbeitstreffen in Estland einen Besuch abstatten wird.

Probleme und Perspektiven des Medienjournalismus

Gestern ging in Leipzig eine internationale Fachtagung zum gegenwärtigen Zustand des Medienjournalismus zu Ende. Als Referenten und Podiumsteilnehmer waren eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten aus der journalistischen Praxis und der Journalismusforschung eingeladen. Organisiert wurde das Programm von Michael Haller und seinem Team am Institut für Praktische Journalismusforschung, die damit gleichzeitig das zehnte Jubiläum der Fachzeitschrift “message” feierten. Obwohl ich nur am zweiten Konferenztag dabei sein konnte, habe ich die Veranstaltung als äußerst gewinnbringend empfunden. Nachdem in den Jahren bis 2005 etliche Forschungsarbeiten zu diesem Thema entstanden sind, ist es seitdem aus wissenschaftlicher Sicht ein wenig ruhiger um den Medienjournalismus geworden. Schön also, dass die journalistische Selbstberichterstattung mal wieder auf die Agenda geraten ist.

Gemeinsam mit Susanne Fengler durfte ich im Rahmen der Veranstaltung erste Forschungsergebnisse aus unserem Projekt zur “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) präsentieren. In unserem Vortrag “Transparenz und Selbstkritik bei den EU-Nachbarn” haben wir einige Detailbefunde zu Presseräten, Medienjournalismus und Medienblogs im europäischen Vergleich zusammengetragen. Die hier dokumentierten Präsentationsfolien zeigen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus unserer bisherigen Bestandsaufnahme. Ein systematischer Vergleich folgt!

Literarischer Journalismus als “media accountability system”

jojo.jpgIn den vergangenen Monaten haben mich vor allem zwei Großprojekte beschäftigt: zum einen das internationale Forschungsprojekt “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT), für das ich seit Beginn des Jahres als Scientific Officer tätig bin, zum anderen meine Dissertation. Für die neue Ausgabe des “Journalistik Journals”, das ich nach wie vor redigiere, habe ich erstmals einen Brückenschlag zwischen diesen beiden Projekten gewagt. Der kurze Aufsatz “Literarisierung als Systemschutz” beschreibt das Berichterstattungsmuster des literarischen Journalismus als Reflexionseinrichtung des Journalismussystems. Ihm kommen damit ähnliche Aufgaben zu wie anderen “media accountability systems” — etwa Presseräten oder Medienjournalismus: Gemeinsam helfen sie der journalistischen Profession, sich selbst zu erhalten.

Der Text ist Teil einer Schwerpunktausgabe des JoJos, die sich unter dem Titel “Kritik in der Krise?” dem “wechselvollen Verhältnis von Kultur und Journalismus” widmet. Äußerer Anlass ist das Kulturhauptstadtjahr 2010, das im Ruhrgebiet gegenwärtig einige Sogwirkung verursacht. Neben meinem Beitrag sind verschiedene andere Aufsätze bereits jetzt online, zum Beispiel von Margreth Lünenborg (”Kultur als zentrale Bezugsgröße”), Stephan Porombka (”Ein kurzes Briefing zum Kulturjournalismus”), Gunter Reus (”Berichter oder Richter?”), Karl Prümm (”Es ist still geworden”) und Jörg-Uwe Nieland (”Popjournalismus als Kulturkritik”). Das gedruckte Heft wird ab der kommenden Woche ausgeliefert.

Wer an einem (kostenlosen) Bezug der Zeitschrift interessiert ist, kann mir gerne schreiben!