Auf eine beachtenswerte Stellenausschreibung bin ich im Blog der DGPuK-Fachgruppe “Soziologie der Medienkommunikation” gestoßen. Andreas Hepp (Bremen) sucht zwei wissenschaftliche Mitarbeiter (halbe Stellen, Entgeltgruppe 13 TVL) für sein DFG-Projekt zur Erforschung der “Integrations- und Segregationspotenziale digitaler Medien am Beispiel der kommunikativen Vernetzung von ethnischen Migrationsgemeinschaften”. Die beiden Stellen sind auf zwei Jahre befristet. Bewerbungsschluss ist am 31. März 2008. Mehr dazu hier!
Tag-Archiv für 'rezeption' pt. 2 von 2
Fast zeitgleich haben gestern Abend Jan Schmidt und die BILDblogger einige Ergebnisse aus der BILDblog-Leserbefragung veröffentlicht, die ein Projektteam der Bamberger Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” (FONK) im Oktober und November 2007 durchgeführt hat. Bemerkenswert finde ich vor allem den immensen Rücklauf: Fast 20.000 Personen nahmen an der Befragung teil, davon bereits über 6.500 am ersten Tag der Feldzeit. Aber auch darüber hinaus liefert die Erhebung einige interessante Daten. Einige Extrakte im Überblick:
- BILDblog-Leser sind in der Mehrzeil männlich (86,4%), jung (Durchschnittsalter 28,5 Jahre) und überdurchschnittlich gebildet.
- Die meisten von ihnen sind über drei Stunden pro Tag online, aber nur 13 Prozent führen ein eigenes Weblog.
- Die BILDblog-Lektüre erfolgt überwiegend direkt im Browser, nur 12 Prozent der Leser nutzen den RSS-Feed.
- Die wichtigsten Motive der Nutzung liegen in einem Bedürnis nach Unterhaltung und Information begründet.
- Eine Mehrheit der Leser fühlt sich durch das BILDblog dabei unterstützt, ein Verständnis für journalistische Qualität zu entwickeln. Positive Auswirkungen auf die Qualität der BILD-Berichterstattung erwarten aber nur die wenigsten.
Eine Vielzahl weiterer Befunde findet sich in einem ausführlichen Bericht der Forschergruppe um Jan Schmidt. Dort werden im Fazit auch einige “Anregungen” und “Empfehlungen” formuliert, die sich allerdings in erster Linie an die BILDblog-Redaktion zu richten scheinen und ihr helfen können, das publizistische Angebot zu optimieren. Ausbaufähig sind sicherlich die Überlegungen zum Zusammenhang zwischen BILDblog im Speziellen bzw. Media Watchblogs im Allgemeinen und journalistischer Qualität. Dieses spannende Thema wird im FONK-Bericht zwar durchaus diskutiert, die entsprechenden Textpassagen (vgl. S. 15-17) werfen jedoch mehr Fragen auf, als sie beantworten. Die relativ eindeutige Aussage vieler Befragungsteilnehmer, dass das BILDblog ihrer Meinung nach nicht zur Qualitätsverbesserung der BILD-Zeitung beitrage, stimmt jedenfalls nachdenklich und legt nahe, dass das medienkritische Potenzial der Weblog-Publizistik doch geringer sein könnte, als oft angenommen wird. Aus dieser Vermutung lassen sich einige spannende Anregungen für die künftige Forschung gewinnen. Aber möglicherweise ist eine entsprechende Folgepublikation ja bereits in Arbeit?
In der neuen Ausgabe von New Media & Society (Heft 1/2008) bin ich auf zwei interessante Aufsätze gestoßen, die sich mit Fragen der journalistischen Nutzung und der Wirkung von Weblogs befassen.
Unter dem Titel “Forums for citizen journalists? Adoption of user generated content initiatives by online news media” durchsucht Neil Thurman (City University, UK) zehn ausgewählte Nachrichten-Websites aus Großbritannien nach Web-2.0-Features. Eine quantitative Auswertung zeigt, dass zwar fast alle der analysierten Publikationen sich mehr oder weniger intensiv um Nutzerbeteiligung bemühen. Die verwendeten Medienformate sind dabei jedoch höchst unterschiedlich. Weblogs mit eingeschalteter Kommtarfunktion fanden sich zum Zeitpunkt der Erhebung beispielsweise nur bei Guardian.co.uk. Interessant ist der Beitrag vor allem aufgrund der ausführlich ausgebreiteten Leitfadeninterviews, die Thurman mit Redakteuren der untersuchten Websites durchgeführt hat. Sie fördern viele aufschlussreiche Zitate zu Tage und illustrieren, welche Hoffnungen und welche Ängste journalistische Praktiker mit Blogs und anderen Web-2.0-Formaten verbinden. Insgesamt bleibt die Erhebung jedoch explorativ. Wirklich neue Erkenntnisse werden nicht präsentiert, auch weil die Daten aus den Jahren 2004/2005 stammen und mit der gegenwärtigen Situation daher nur noch wenig zu tun haben. Dieser Mangel ist aber vermutlich weniger dem Autor anzulasten, der seine Studie bereits mehrfach auf internationalen Tagungen vorgestellt hat, als vielmehr den üblichen Mechanismen des wissenschaftlichen Publikationsbetriebs.
Das gleiche Problem gilt auch für den Aufsatz “Stealth soapboxes: political information efficacy, cynicism and uses of celebrity weblogs among readers” von Kaye D. Sweetser (University of Georgia, USA) und Lynda Lee Kaid (University of Florida, USA), der sich für die Wirkung von Blogs als Element in der politischen Kommunikation interessiert. Die beiden Autorinnen führten im April 2004 eine Online-Befragung unter den Lesern dreier Prominenten-Weblogs durch. Ihr abschließendes Fazit: “[…] it was discovered that the presence of political content and presentation of that content on blogs can impact a person’s overall political outlook. That is, exposure to political messages in unexpected and interactive media can increase the knowledge of diversity in political thought, resulting in a desire to know more before making political decisions.” (S. 85) Für Detailergebnisse sei auf den (leider nur für Abonnenten zugänglichen) Volltext der Studie verwiesen.









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