Tag-Archiv für 'partizipation'

New book chapter: Participatory media regulation

relation2.jpgA new volume of the book series “Relation — Communication Research in Comparative Perspective” is out now. Edited by Manuel Puppis, Matthias Künzler and Otfried Jarren, it casts a spotlight on the relationship between “Media Structures and Media Performance”. It also contains an article from an early phase of our collaborative research project on “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) in which we are delevoping a heuristic concept for further research on participatory media regulation. Our chapter’s abstract reads as follows:

How are media self-regulation and accountability structures changing under the influence of the current media shift? Can web-based accountability processes compensate for the shortcomings of traditional self-regulatory instruments and pave the way for a novel kind of participatory media regulation? By contrasting the performance of press councils, media journalists and media bloggers in 13 countries, this chapter analyses the status quo of traditional and innovative forms of media accountability from a cross-cultural perspective. The evaluated data, gathered through desk studies and qualitative interviews, permit a categorisation of the countries studied into distinct cultures of media accountability, along the lines of Hallin and Mancini’s model of journalism cultures. However, because of the current developments in web-based media accountability, which prove particularly promising in those countries with traditionally weak structures of media self-regulation, such as in the Mediterranean area or in the Arab world, the boundaries between the categories are becoming permeable.

More information on the book and its contents is available here.

The complete bibliographical data of our contribution:

Tobias Eberwein/Tanja Leppik-Bork/Julia Lönnendonker: Participatory Media Regulation: International Perspectives on the Structural Deficits of Media Self-Regulation and the Potentials of Web-Based Accountability Processes. In: Manuel Puppis/Matthias Künzler/Otfried Jarren (eds.): Media Structures and Media Performance. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2013, 135-158

Partizipativer Journalismus – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

jojo-1-2012-klein.jpgDer Begriff Partizipation ist in den vergangenen Jahren zu einem vermeintlichen Zauberwort geworden – nicht nur im politischen Diskurs, sondern auch im Journalismus. Vor dem Panorama der Werbe- und Medienkrise werteten viele Beobachter die stärkere Einbindung der Nutzer als Wundermittel im Kampf gegen die Erosion redaktioneller Ressourcen. Was genau jedoch unter sinnvoller Nutzerpartizipation zu verstehen ist, blieb vielen der beteiligten Akteure dabei unklar. Viele Verlagshäuser verordneten sich ein “Mitmachen beim Mitmachen”, häufig jedoch ohne zielgerichtete Strategie. “Irgendwas 2.0″ nennt Thorsten Quandt derartige Vorstöße. Liest man seinen Beitrag in der neuen Ausgabe des “Journalistik Journals” (JoJo), eine pointierte Zusammenfassung einer internationalen Vergleichsstudie zum Status quo des Mitmach-Journalismus, wirkt Partizipation eher wie ein “Plastikwort”, eine jener “sprachlichen Attrappen” also, die sich mit Uwe Pörksen auf alles anwenden lassen, im Inneren jedoch leer bleiben. Von Zauber keine Spur!

Das neue JoJo-Themenheft möchte dazu beitragen, die Diskussion über Partizipation im Journalismus zu systematisieren – und ihr dadurch zu ein wenig mehr Sub­stanz verhelfen. Dazu gehört nicht nur eine grundsätzliche Beschäftigung mit Begriff und Gegenstand des partizipativen Journalismus, wie Sven Engesser sie anbietet. Dazu gehört auch eine Auseinandersetzung mit der historischen Dimension des Themenfeldes. Denn Mitmach-Journalismus ist keineswegs ausschließlich an netzbasierte Anwendungen wie Weblogs, Wikis, Video- oder Netzwerkplattformen gebunden. Wie vor allem Thomas Birkner und Wiebke Loosen zeigen, gab es User Generated Content schon lange vor dem Aufkommen des Web 2.0: “Jahrhunderte der Mediengeschichte wären ohne die aktive Partizipation von Bürgern in den Medien gar nicht möglich gewesen. Im Jahre 1899 bat beispielsweise die Berliner Illustrierte Zeitung ihre Leser darum, Fotos … einzusenden – bei Veröffentlichung gab es dafür 200 Mark.” Und auch der klassische Leserbrief, das Hörer-/Zuschauertelefon und die Offenen Kanäle waren (und sind) etablierte Plattformen der Nutzerbeteiligung, die nicht erst auf die Verbreitung des Internets warten mussten, um ihre unbestrittenen Potenziale unter Beweis zu stellen.

Unbestritten ist allerdings auch, dass die Partizipationsbarrieren durch die technischen Möglichkeiten des Internets heute so niedrig wie nie zuvor sind. Insofern ist es lohnenswert zu analysieren, wie sich die etablierten Instrumente der Publikumsinklusion unter den Bedingungen des Web 2.0 verändern und weiterentwickeln. Die neue JoJo-Ausgabe untersucht dies in verschiedenen Fallstudien: Annika Sehl, Hannah Lobert und Michael Steinbrecher stellen Ergebnisse ihrer Begleitforschung zum partizipativen TV-Lernsender nrwision vor und vergleichen dessen Merkmale mit denen des Social Web. Ilka Lolies erörtert das diskursive Potenzial von Online-Kommentaren im Vergleich zum herkömmlichen Leserbrief. Wiebke Möhring diskutiert die besonderen Möglichkeiten der Nutzerbeteiligung im Lokaljournalismus. Und Hanna Jo vom Hofe und Chris­tian Nuernbergk präsentieren Befunde einer Redaktionsbefragung zur Nutzung des Microblogging-Dienstes Twitter im professionellen Journalismus.

Zusammengenommen zeigen die Beiträge, dass trotz günstiger Rahmenbedingungen nach wie vor eine Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit im partizipativen Journalismus klafft. Ebenso geben sie aber zahlreiche Ratschläge, wie diesem Missverhältnis im Bedarfsfalle entgegenzuwirken ist.

Zur neuen Ausgabe des “Journalistik Journals” geht es hier!

Neues Journalistik Journal: “Journalismus in Europa”

jojo.jpgGerade rechtzeitig zum Beginn der Vorlesungszeit sind wir heute mit dem letzten Feinschliff an der neuen Ausgabe des “Journalistik Journals” fertig geworden. Die Herbstausgabe 2/2008 ist bereits im Druck und wird ab nächster Woche ausgeliefert. 28 Autorinnen und Autoren haben mitgeholfen, auch das neue Heft wieder zu einer anregenden Lektüre werden zu lassen. Für die Zusammenarbeit sei an dieser Stelle noch einmal herzlich gedankt.

Der Themenschwerpunkt befasst sich diesmal mit “Journalismus in Europa“. Einige der Texte sind bereits vorab online verfügbar — und zwar:

Gerd G. Kopper: „Keine Schnecke, sondern die Maus“. Zwei Jahrzehnte europäische Journalistik

Andrea Czepek: Alles geht. Oder? Tabus im europäischen Journalismus

Horst Pöttker: Braucht Europa einen Presserat? Optionen einer supranationalen Selbstkontrolle

Michael Grytz: Dschungel wäre keine schlechte Bezeichnung. Erfahrungen eines Brüssel-Korrespondenten

Julia Lönnendonker: Die große Unbekannte. Journalisten wissen nur wenig über die EU

Weitere Beiträge zum Schwerpunkt Europa stammen von Andreas Hepp, Michael Brüggemann, Katharina Kleinen-von Königslöw, Swantje Lingenberg und Johanna Möller (”Segmentierte Transnationalisierung. Forschungsprojekt zum Wandel der EU-Öffentlichkeit”), Mirjam Stöckel (”Mehr Aufmerksamkeit für das graue Brüssel? So berichten Regionalzeitungen über die EU”), Marcus Kreutler (”Journalistische Ethik — oder Ethiken? Eine Untersuchung europäischer Medienkodizes”), Liane Rothenberger (”Arte auf dem Vormarsch. Europäisches Fernsehen zwischen Hoch- und Popkultur”), Christian Schwarzenegger (”Von gallischen und potemkinschen Dörfern. Die EU-Kampagne der ‘Kronen Zeitung’”) und Juliana Lofink (”Die Vergangenheit wirkt noch nach. Zum Zustand der Journalistenausbildung in Russland”). Diese Texte können in der Print-Ausgabe des JoJos nachgelesen werden. Bei Interesse reicht eine formlose Mail an mich, wir stellen die Hefte gerne kostenfrei zur Verfügung!

Auch jenseits des Themenschwerpunkts bietet das neue JoJo noch einigen Lesestoff: Frank Siebel trägt Ergebnisse einer Studie zur “zwiespältigen Rolle von Qualitätsmedien in mediatisierten Wahlkämpfen” zusammen; Sven Engesser und Jeffrey Wimmer diskutieren unter dem Titel “Renaissance der Gegenöffentlichkeit?” über die Potenziale des partizipativen Internet-Journalismus; Michael Schulte erklärt, “Warum extreme Fotoformate ihre Wirkung verfehlen” usw. usf.

Und wem das alles nicht passt, der kann sich schon auf Heft 1/2009 freuen. Das wird sich mit den Wechselbeziehungen zwischen Journalismus und Wirtschaft befassen. Konkrete Themenvorschläge an die Redaktion sind herzlich willkommen!