Tag-Archiv für 'lehre'

Neue Informationen zur politischen Bildung

bpb.jpgDie letzte Ausgabe stammte noch aus dem Jahr 1998. 13 Jahre später gibt es nun endlich wieder ein aktuelles Themenheft “Massenmedien” in der Publikationsreihe “Informationen zur politischen Bildung“. Ich hatte Anfang der Woche die Belegexemplare im Briefkasten, da ich ein paar Zeilen zum Thema Medienethik und Medienselbstkontrolle beisteuern durfte. Ingesamt haben 31 Autorinnen und Autoren mitgewirkt. Die Konzeption des Heftes lag in den Händen von Susanne Fengler und Susan Philipp. Eine PDF-Version des Readers ist auch online verfügbar — und zwar hier!

Crossmedia für Gedankenlose

jakubetz.jpgIn der UVK-Buchreihe “Praktischer Journalismus” liegt seit einigen Wochen eine neue Einführung in die crossmediale Berichterstattung vor. Laut Klappentext holt sie “die Journalisten in Zeitungen, Radio, Fernsehen oder Internet ab und vermittelt ihnen die notwendigen Kenntnisse, die sie benötigen, um über Mediengrenzen hinweg zu publizieren und Texte, Fotos, Audios und Videos miteinander zu vernetzen”. Der Band “Crossmedia” scheint genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. Wie der Autor Christian Jakubetz, Journalist und Dozent u.a. an der Deutschen Journalistenschule, zu Recht feststellt, ist die Journalistenausbildung vielerorts noch auf der Suche nach einleuchtenden Konzepten, um der fortschreitenden Medienkonvergenz zu begegnen. Eine praxisorientierte Handreichung zu diesem Thema stellt daher auch für mich ein willkommenes Hilfsmittel dar, die eigenen Lehrtätigkeiten zu überdenken und zu verbessern. Kurz: Ich habe mich über das Erscheinen des Bandes zunächst sehr gefreut.

Nach der Lektüre hat sich diese positive Grundstimmung etwas relativiert. Sicher: In seiner Struktur ist das Buch sinnvoll angelegt. Dem Anspruch, der Leserschaft die Praxis des crossmedialen Arbeitens anhand von zahlreichen Beispielen vor Augen zu führen, kommt es durchaus erfolgreich nach. Zwar lassen die gut 180 Textseiten nicht allzu viel Raum, um in die Tiefe zu gehen, und zwingen daher an vielen Stellen zur Vereinfachung. Gerade die beiden Abschnitte zum Umgang mit Audio- und Videomaterial jedoch geben dem Berufseinsteiger vom Equipment-Kauf bis zur Verarbeitung des produzierten Contents viele nützliche Tipps an die Hand. Hier hat der Band seine Stärken.

Positiv hervorzuheben ist auch der professionelle Umgang des Autors mit der kurzen Halbwertszeit seines Themas: Aktualisierungen und neue Trends, die im Buch nicht mehr berücksichtigt werden konnten, werden in seinem Blog fortlaufend ergänzt. Auch so kann crossmediales Publizieren funktionieren!

Problematisch — und teilweise sogar ärgerlich — wird das Buch allerdings in den Passagen, wo der Autor übergreifende Journalismusentwicklungen fokussiert und analysiert. Zwar fließen dann und wann auch Erkenntnisse der Journalismusforschung in die Darstellung ein. Die Auswahl der verwendeten Daten ist jedoch zum Teil hochgradig selektiv und damit irreführend. Zudem erschwert der fast schon gedankenlos anmutende Umgang mit den verwendeten Quellen die Nachprüfbarkeit. Ein Literaturverzeichnis, das die erwähnten Quellen zusammenfasst und präzisiert, sucht man vergeblich. Als expliziten Ersatz dafür listet der Autor am Ende sechs einschlägige Weblogs auf, eines davon ist das von ihm selbst betriebene. Die genannten Blogs sind zwar allesamt lesens- und empfehlenswert. An dem eklatanten Mangel an Zitiersorgfalt und Quellentransparenz können sie jedoch wenig ändern. Gerade in einem Buch, das sich gezielt an Journalismus-Einsteiger richtet, wiegen solche Defizite besonders schwer. Sie missachten einige Grundregeln journalistischen Arbeitens und vermitteln damit genau das falsche Signal.

Dass der Autor der (akademischen) Journalistik auch unabhängig von dieser Frage scheinbar nicht sonderlich viel abgewinnen kann, zeigt nicht zuletzt das abschließende Kapitel zur “Aus- und Weiterbildung” im (Crossmedia-)Journalismus: Der enthaltene Überblick über entsprechende Ausbildungseinrichtungen listet ausschließlich Journalistenschulen und Akademien auf — als ob die hochschulgebundene Journalistenausbildung zu diesem Thema gar nichts beizutragen hätte.

Aus den genannten Gründen kann ich das Buch “Crossmedia” leider nicht für den Einsatz in der Lehre empfehlen.

Literatur:

Jakubetz, Christian (2008): Crossmedia. Konstanz: UVK.

Bild: UVK

Wikis zur Studierendeninformation: Fallbeispiel StudiGer

studiger.jpgDie Kollegen der Dortmunder Germanistik betreiben seit Juli 2007 eine Plattform zur Studierendeninformation auf Wiki-Basis. StudiGer versammelt verschiedenste Informationen rund um die zahlreichen Studiengänge am Institut für deutsche Sprache und Literatur — zum Beispiel aktuelle Nachrichten zu Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Sprechstunden, Ankündigungen der einzelnen Lehrenden sowie Hinweise zu speziellen Beratungsangeboten. Mit fast 300 Wiki-Seiten, die seit dem Launch der Plattform über 10.000 mal editiert wurden, hat StudiGer mittlerweile eine beachtliche Informationstiefe erreicht. In einem Werkstattgespräch erläuterte Mit-Initiator Michael Beißwenger nun einige Hintergründe des Projekts und ermöglichte einen Einblick in die Arbeitsweise der Redaktion.

StudiGer wurde im Sommersemester 2007 im Rahmen eines Projektseminars unter der Leitung von Angelika Storrer, Matthias Heiner und Michael Beißwenger entwickelt. Über dieses Seminar sollten die Teilnehmer praktische Erfahrungen mit der Produktion von Wiki-Hypertexten sammeln und reflektieren. Ziel war es, in Ergänzung zur Instituts-Homepage ein niedrigschwelliges Web-Angebot zur tagesaktuellen Bereitstellung von Informationen zum Germanistik-Studium in Dortmund zu erarbeiten, ein kollaborativ zu betreuendes Informationssystem von Studierenden für Studierende. Ein Prototyp der Seite konnte im Juli 2007 online gehen. Die eigentliche Arbeit begann aber erst danach.

Michael Beißwenger wies in seinem Vortrag auf einige Faktoren hin, die sichergestellt werden mussten, um die Effizienz des Projekts zu gewährleisten:

  • PR-Maßnahmen zum Projektstart
  • Einbeziehung der Lehrenden
  • Einbeziehung der Funktionsstellen aus Institut und Fachbereich
  • Definition und Transparenz von Aufgaben und Verantwortlichen
  • Definition von Redaktionsabläufen
  • Gesamtkoordination (regelmäßige Redaktionssitzungen usw.)
  • regelmäßige Ansprechbarkeit der Redaktion (”Wiki-Sprechstunde”)
  • Qualitätskontrolle
  • Aufbau und Entwicklung von Wiki-Komptenzen

Dass Michael Beißwenger und Kollegen dies einigermaßen gelungen ist, zeigen u. a. die Zugriffszahlen: Pro Monat können fast 36.000 Seitenabrufe verzeichnet werden. Insgesamt wurde StudiGer seit Gründung der Plattform fast 400.000 Mal geklickt. Für den laufenden Betrieb ist mittlerweile eine Redaktion aus studentischen Hilfskräften verantwortlich, die gemeinsam rund 30 Stunden Wochenarbeitszeit in das Projekt investieren. Sie zeichnen für rund 80 Prozent der vorgenommenen Edits verantwortlich, während die restlichen 20 Prozent direkt von den Lehrenden des Instituts umgesetzt werden.

Obwohl Letzteres sicherlich noch ausbaufähig ist, beeindruckt das Projekt in seiner Anlage und Ausführung. Nachahmenswert ist nicht nur die Verzahnung mit der Hochschullehre, sondern auch der praktische Nutzen im Rahmen der Studienberatung. Wundern mag man sich vielleicht, was denn nun die eigentlich für diese Aufgabe vorgesehenen Studienfachberaterinnen machen. — Die moderieren ein ergänzendes Online-Forum, das offensichtlich ebenfalls sehr gut angenommen wird.

Ich wünschte mir, wir wären im eigenen Fach auch schon so weit.

Weitere Informationen über StudiGer finden sich in der Präsentation von Michael Beißwenger et al.

Wenn Regionalzeitungen über laufende Berufungsverfahren berichten

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Wenn sich die Regionalpresse für ein Berufungsverfahren interessiert, muss etwas Ungewöhnliches passiert sein. Im Fall des gegenwärtig am Dortmunder Institut für Journalistik laufenden Verfahrens hat das Ungewöhnliche einen Namen: Michael Steinbrecher. Er hat sich um die Nachfolge Ulrich Pätzolds als Professor für crossmediale Entwicklungen des Journalismus beworben. Der WAZ, der Westfälischen Rundschau und den Ruhr Nachrichten war das einen Bericht wert. Immerhin: Michael Kohlstadt weist in der WAZ darauf hin, dass neben Steinbrecher auch andere Kandidaten zum Vorsingen nach Dortmund eingeladen wurden — namentlich Sonja Kretzschmar, Klaus Meier und Thorsten Quandt. Man darf gespannt sein, ob die lieben Pressekollegen auch am Montag vor Ort sein werden, um über Steinbrechers Berufungsvortrag und seine Probelehrveranstaltung zu berichten.

Als sich das letzte Mal ein investigativ recherchierender Journalist undercover in Lehrveranstaltungen am IfJ eingeschlichen hatte, endete das übrigens so.

(Disclaimer: Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am IfJ, aber nicht Mitglied der Berufungskommission.)

Foto: ZDF/Kerstin Bänsch

Einführung in die Medienwirkungsforschung — online

Noch ein Link nach Augsburg: Am dortigen Institut für Medien und Bildungstechnologie bastelt man seit Beginn des laufenden Sommersemesters mit interaktiven audiovisuellen Veranstaltungsmitschnitten. Versuchskaninchen ist Christiane Eilders. Ihre Vorlesung “Einführung in die Medienwirkungsforschung” kann seit einigen Tagen auch online goutiert werden. Eine RM-Datei mit der Auftaktveranstaltung steht hier zum Download zur Verfügung (243 MB), ein etwas handlicheres MP3 gibt es hier (74 MB). Die nachfolgenden Sitzungen werden nach und nach auf dem Server des Medienlabors ergänzt.

Jetzt auch im Singular: hardbloggingscientist.de

“Kritisch, futuristisch, diskursiv” soll es werden — das neue Blog von Steffen Büffel. Unter hardbloggingscientist.de will der Medienwissenschaftler, in der Community bislang vor allem durch seine Publikationsaktivitäten auf Media-Ocean bekannt, sich künftig forschungsnahen Aspekten rund um das Thema Social Media widmen. Aktuell geht es beispielsweise um die “Zukunft des Lernens“. Auf die weitere Entwicklung des Blogs darf man gespannt sein. (via)

“Das flitzt noch nicht so richtig!”

Die Lehrredaktionen Print und Online am Dortmunder Institut für Journalistik hatten heute einen interessanten Gast: Andreas Fettig, Desk-Chef bei DerWesten. Im Kreis der Studierenden sprach er für anderthalb Stunden über die Ziele des noch jungen Online-Portals, erläuterte die redaktionellen Arbeitsabläufe und stellte sich den Fragen seiner Zuhörer. Besonders für die Mitarbeiter des Medien Monitors (MeMo) war Andreas Fettig sicherlich ein spannender Gesprächspartner, denn unser Online-Magazin hat den Publikationsbetrieb von DerWesten von Anfang an durchaus kritisch begleitet — zuletzt etwa am 22. Januar in einem Beitrag zu den aktuellen Klick-Zahlen des Portals. Mit Blick auf die bislang eher unbefriedigenden Page Impressions musste unser Gast denn auch eingestehen: “Das flitzt noch nicht so richtig!” Als Hauptgrund führte er die üblichen Schwierigkeiten bei der Etablierung einer neuen Marke an, verwies aber auch auf unerwartete technische Probleme während der Startphase. Anlass zu konzeptionellen Änderungen sieht er aber nicht: “Da sind wir stur!” Und: “Wenn wir bis zum Sommer so weitermachen wie bisher, dann sind wir da, wo wir hin wollen.” Die MeMo-Redaktion wird das im Auge behalten. Auch auf diesem Wege noch einmal: Danke für die lebendige Diskussion!