Tag-Archiv für 'befragung'

Back to the Basics?

Ethik, Verantwortung, Qualität – dies sind Fundamente des Journalismus, ohne die eine ernsthafte Berichterstattung kaum möglich erscheint. „The Basics of Journalism“ lautete folgerichtig auch der Titel einer internationalen Fachtagung, die sich am vergangenen Wochenende mit diesen Themen auseinandersetzte.

26 zum Teil hochkarätige Referenten aus dem Aus- und Inland waren der Einladung von Klaus-Dieter Altmeppen nach Eichstätt gefolgt. Gemeinsam spürten sie verschiedenen Konzepten der Journalismus- und Medienethik nach, verglichen normative Qualitätskriterien mit den Ansprüchen und Erwartungen des Publikums und fragten sich, was dies alles in Zeiten des digitalen Medienum­bruchs bedeuten möge. Eine Antwort im Sinne des Tagungsmottos lag nahe: Back to the Basics! Oder? – Nicht zwingend, wie die verschiedenen Vorträge zeigten. Sie näherten sich den verhandelten Themen aus höchst unterschiedlichen Perspektiven und lieferten dementsprechend auch verschiedenartige Problemlösungen.

Einen eher analytischen Blickwinkel nahm beispielsweise Clifford G. Christians (University of Illinois) ein. Er versuchte, allen konstruktivistischen Unkenrufen zum Trotz, den Begriff der Wahrheit („Truth“) als universelles Konzept der Journalismusethik zu revitalisieren. Auf breiter philosophischer Basis erläuterte er die Idee der aletheia und wendete sie auf seinen Untersuchungsgegenstand an: Journalisten dürften Wahrheit nicht als reine Ansammlung von Fakten missverstehen, sondern müssten stattdessen versuchen, unter die Oberfläche zu schauen. Ziel ihrer Berichterstattung könne nicht die bloße Wiedergabe externer Ereignisse sein, sondern eine möglichst authentische Offenlegung der Zusammenhänge – oder in Christians‘ Worten: „getting to the heart of the matter“. Derartig verstanden, sei Wahrheit für den Journalismus auch heute noch, ungeachtet aller Vorbehalte, ein zentraler Bezugspunkt.

Einen eher normativen Zugang zum Tagungsthema wählte unter anderem Barbara Thomaß (Ruhr-Universität Bochum). Sie stellte die UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen in den Mittelpunkt ihres Vortrags und forderte, den Diversity-Begriff als zentrale Kategorie journalistischer Berufs­ethik anzuerkennen. Ihren Appell untermauerte sie durch viele konkrete Vorschläge, wie dies im redaktionellen Alltag umgesetzt werden könnte.

Auch die empirisch-deskriptive Perspektive kam bei der Eichstätter Tagung nicht zu kurz: So stellte etwa Thomas Hanitzsch (Universität Zürich) einige neue Befunde aus seiner international vergleichenden „Worlds of Journalisms“-Befragung vor und konnte dabei zeigen, dass die ethischen Ideologien in unterschiedlichen journalistischen Kulturen stark differieren. C. Ann Hollifield und Lee B. Becker (University of Georgia) kombinierten die Daten zweier unterschiedlicher Erhebungen und wiesen damit nach, dass die gängigen berufsethischen Konventionen gegenwärtig weltweit einem Erosionsprozess unterworfen sind. John McManus (San José State University) präsentierte eine von ihm entwickelte „scorecard“ zur Messung der Qualität journalistischer Nachrichten. Damit griff er vor auf ein späteres Panel, in dem Hugh J. Martin (Ohio University) und Klaus Arnold (KU Eichstätt) weiter ausgreifende Konzeptionen journalistischer Qualität erörterten.

Die eigentlich drängenden Fragen gerieten jedoch erst am dritten Konferenztag in den Fokus: Welche Implikationen ergeben sich aus der zunehmenden Medienkonvergenz? Brauchen wir vor allem für den Online-Journalismus neue professionelle Standards? Die Antworten in den Vorträgen und den angeregten Diskussionen fielen zwiespältig aus: Zwar behalten die fundamentalen Übereinkünfte der Journalismus­ethik offenkundig auch angesichts des Medienwandels ihre Gültigkeit. Gleichzeitig kommen jedoch neue Herausforderungen dazu. So arbeitete beispielsweise Renita Coleman (University of Texas) in ihrer Präsentation einige spezifische Fallstricke heraus, die sich bei einer journalistischen Internet-Recherche ergeben können. Und Ari Heinonen (Universität Tampere) zeigte anhand eines Vergleichs europäischer Ethikkodizes, dass die nationalen Institutionen der Medienselbstregulierung diesen und anderen neuen Problemdimensionen bislang in keinster Weise gerecht werden.

Mit einem einfachen „Back to the Basics!“ ist es ganz offensichtlich nicht getan. Ethik, Verantwortung und Qualität bleiben zentrale Themen für die Journalismusforschung – angesichts noch zu erwartender Wandlungsprozesse mehr denn je!

Startschuss für “r:k:m”

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Die Soziologie hat eine, die Geschichtswissenschaft auch, und die Politikwissenschaft schon längst. Die Rede ist von einer eigenständigen Rezensionszeitschrift für die jeweilige Disziplin. Nun ist es auch für die Kommunikations- und Medienwissenschaften so weit: Seit heute ist die Online-Zeitschrift “r:k:m — Rezensionen:Kommunikation:Medien” im Netz. Sie versteht sich als integratives Rezensionsorgan für alle wissenschaftlichen Publikationen aus den Themenbereichen Kommunikation und Medien. Dabei sollen nicht nur sozialwissenschaftlich-empirische Forschungsarbeiten vorgestellt und diskutiert werden, sondern auch solche, in denen der geistes- und literaturwissenschaftliche Zugriff dominiert. Daneben finden auch Veröffentlichungen aus benachbarten Disziplinen Platz.

Der breite thematische Rahmen spiegelt sich im Herausgebergremium der Publikation wider, das sich aus Horst Pöttker (Institut für Journalistik, TU Dortmund), Vinzenz Hediger (Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum) und Achim Eschbach (Institut für Kommunikationswissenschaft,  Universität Duisburg-Essen) zusammensetzt. Die drei Hochschullehrer zeigen mit ihren persönlichen wissenschaftlichen Herangehensweisen und den Fachinstituten, an denen sie tätig sind, welche unterschiedlichen Ausprägungen das Forschungsfeld Kommunikation und Medien annehmen kann. Gemeinsam mit der Redaktion entscheiden sie über die Auswahl der zu besprechenden Bücher und machen Vorschläge für geeignete Rezensenten. Auf diese Weise soll “r:k:m” ein möglichst vielseitiges Forum für den wissenschaftlichen Austausch werden.

Die Notwendigkeit eines funktionierenden Rezensionswesens für die Kommunikations- und Medienforschung beschäftigt mich schon seit meinem Studium — einige Überlegungen dazu sind in empirisch fundierte Publikationen gemündet, von denen ich auch während meiner vierjährigen Tätigkeit als Redakteur des “Publizistik”-Rezensionsteils profitieren konnte. Nachdem Horst Pöttker und ich die Redaktion der “Publizistik” Ende 2008 an unsere Nachfolger übergeben haben, konnten wir uns — gemeinsam mit Kollegen aus Bochum und Essen und unter Rückgriff auf eine Befragung unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft –  an die Konzeption eines unabhängigen Rezensionsportals machen. Das Ergebnis liegt nun online unter http://www.rkm-journal.de vor. Dort findet sich auch ein Video-Interview mit Horst Pöttker, in dem er weitere Hintergründe zu “r:k:m” erläutert.

Ich freue mich, dass ich gemeinsam mit Mark Halawa (Essen) als Gründungsredakteur an diesem spannenden und wichtigen Publikationsprojekt mitwirken darf. Den zahlreichen Rezensenten, die uns bis heute mit ihren Beiträgen unterstützt haben, obwohl “r:k:m” noch nicht einmal im virtuellen Raum existierte, sei an dieser Stelle herzlich für ihr Mitwirken gedankt. Das gleiche gilt für unseren Verleger Herbert von Halem und sein Team, die das Projekt seit der Ideenfindung kreativ und engagiert begleitet und uns vor allem die technische Infrastruktur bereitgestellt haben, ohne die eine inhaltliche Arbeit gar nicht möglich wäre.

Die ersten 31 Buchbesprechungen sind im Netz, viele weitere folgen in den nächsten Tagen und Wochen. Ich bin gespannt auf die Resonanz in der Community.

Journalismus(kultur) im Wandel

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Gestern und vorgestern fand an der Universität Bremen die 54. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft statt. Unter dem Titel „Medienkultur im Wandel“ boten sich den fast 400 Tagungsteilnehmern über 100 unterschiedliche Fachvorträge – mal mehr, mal weniger offensichtlich mit dem Tagungsthema verbunden. Einen repräsentativen Überblick über die Veranstaltung zu geben, ist angesichts der Vielzahl der Präsentationen kaum möglich. Auf ein paar instruktive Papers möchte ich aber dennoch kurz hinweisen. Ich beschränke mich dabei auf den Bereich der Journalismusforschung, obgleich dieser im gesamten Tagungsspektrum freilich nur einen kleinen Teil einnahm.

Als sehr anregend habe ich beispielsweise den Vortrag von Bernd Blöbaum empfunden. Er präsentierte Ergebnisse aus einem zweisemestrigen Münsteraner Lehrforschungsprojekt. Gemeinsam mit Studierenden hatte er biographische Interviews mit 36 Journalisten, PR-Praktikern und Werbern durchgeführt, um deren Karriereverläufe miteinander vergleichen zu können. Dabei ließen sich gemeinsame Ausgangspunkte (z.B. vielfältige Mediennutzung in den Herkunftsfamilien, in der Schule Präferenz für das Fach Deutsch, Engagement für Schülermedien usw.) und ähnliche Berufseinstiege (in der Regel über Praktika, Traineeprogramme, Volontariate usw.) in allen drei Arbeitsfeldern feststellen. Die weiteren Berufsverläufe erwiesen sich jedoch als sehr unterschiedlich: Während Journalisten ihrem Medium häufig treu bleiben, ist bei PR-Beratern ein Wechsel vom Journalismus in die Public Relations nicht unüblich, wohingegen vor allem Werber viele unterschiedliche berufliche Stationen durchlaufen. Diese und weitere Ergebnisse der explorativen Studie sind inzwischen als Buch publiziert. Spannend sind sie unter anderem deswegen, weil sie für die Gruppe der Journalisten ähnliche Befunde wie die JouriD-Studien von Siegfried Weischenberg und anderen zu Tage fördern – allerdings mit einer völlig anderen methodischen Herangehensweise.

Thomas Hanitzsch stellte neue Ergebnisse aus dem breit angelegten international vergleichenden „Worlds of Journalisms“-Projekt vor. Anhand von standardisierten Interviews mit je 100 Journalisten aus 19 Ländern, einer Datenrecherche zu ihren Medienorganisationen sowie einer Analyse der Länderkontexte auf Systemebene konnte er verschiedene globale journalistische Milieus identifizieren: den neutralen Publikumsdienstleister, den antiautoritären Meinungsmacher, den kritisch-distanzierten Kontrolleur, den opportunistischen Facilitator und den konstruktiven Weltveränderer. Während die ersten drei Kategorien vor allem in westlichen Journalismuskulturen anzutreffen sind, sind die Typen 4 und 5 typisch für Transformationsgesellschaften. Die Präsentation von Thomas Hanitzsch beeindruckte nicht nur mit einer bemerkenswerten komparativen Datenbasis, sondern auch aufgrund ihrer konsequenten Anwendung der Feldtheorie Pierre Bourdieus auf den Untersuchungsgegenstand Journalismus.

Dass die Feldtheorie für die Erforschung des Journalismus einige interessante Optionen bereithält, zeigte auch der Vortrag von Claudia Riesmeyer. Sie interessierte sich für den Arbeitsalltag von deutschen Auslandskorrespondenten und konnte mit Hilfe von 90 Tiefeninterviews einige spannende Ergebnisse generieren. Auf die zahlreichen Detailbefunde kann ich hier aus Platzgründen nicht eingehen. Einleuchtend und deswegen erwähnenswert finde ich aber vor allem ihren resümierenden Rückbezug der erhobenen Daten auf die Feldtheorie: Der langjährige Erwerb von journalistischem Kapital ist demnach eine wesentliche Zugangsvoraussetzung für eine Tätigkeit als Auslandskorrespondent – man muss sich erst „hocharbeiten“, um einen der begehrten Arbeitsplätze im Ausland zu bekommen. Gleichzeitig ist der Korrespondent für sein Muttermedium ein wesentliches Qualitätsmerkmal. Seine Präsenz vor Ort suggeriert den Status von Exklusivität – und stellt für das Medium damit einen Trumpf im journalistischen Feld dar. Dass viele Korrespondenten aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse de facto gar nicht in der Lage sind, vor Ort ein adäquates Themenmanagement zu betreiben (und auch das belegen die Daten von Claudia Riesmeyer), scheint dabei nebensächlich.

Dass es um die Qualität der Auslandsberichterstattung auch bei renommierten Qualitätsmedien nicht zum Besten steht, demonstrierte die Präsentation von Esther Kamber und Kurt Imhof. Sie hatten – synchron und diachron – die außenpolitische Berichterstattung der NZZ, der FAZ und des „Guardian“ in den Jahren 1980, 1990 und 2005 miteinander verglichen. Dabei konnten sie einige Tendenzen des Wandels aufzeigen: Die analysierten Beiträge speisten sich zuletzt aus weniger Informationskanälen, gleichzeitig ließen sich mehr Agenda-Setting-Kaskaden feststellen. Auffällig war zudem das verstärkte Eindringen von nicht-politischen Inhalten (vor allem Human Interest) und ihren eher emotionalen Rationalitätsdimensionen in die außenpolitische Berichterstattung. Hier wurde der „Guardian“ als Vorreiter ausgemacht – möglicherweise in Folge der verstärkten Newsdesk-Orientierung in dessen Stammredaktion.

Dem Einfluss neuer Medientechnologien auf den britischen Nachrichtenjournalismus spürte Tamara Witschge näher nach. Über Leitfadeinterviews in verschiedenen regionalen und überregionalen Medienhäusern wies sie nach, dass unter Journalisten mittlerweile ein allgemeiner Konsens über die zunehmende Bedeutung des Internets vorherrscht. Die langfristigen Auswirkungen auf den Journalistenberuf werden jedoch höchst unterschiedlich interpretiert: Eine Gruppe von Traditionalisten ist davon überzeugt, dass die Profession den technologischen Wandel unbeschadet überstehen wird, während sich das Lager der „believers“ von den neuen Medientechnologien eine nachhaltige Verbesserung des Journalismus erhofft. Diese verschiedenen Sichtweisen sind gegenwärtig oft parallel innerhalb derselben Redaktionen anzutreffen. Sie auszusöhnen, ist laut Tamara Witschge eine der zentralen Aufgaben auf Managementebene.

Dem medialen Diskurs über ein spezifisches Format der Internetöffentlichkeit – nämlich das der Weblogs – ging Christian Nuernbergk auf den Grund. Er präsentierte Teilbefunde aus dem Münsteraner Forschungsprojekt „Journalismus im Internet“. Zentral war für ihn die Frage, wie sich Blogger und Journalisten gegenseitig thematisieren. Eine Inhaltsanalyse von journalistischen und Blogtexten zeigte, dass ein Konkurrenzverhältnis zwischen den beiden Gruppen eher von Journalisten vermutet wird, während Blogger sich häufiger als Kritiker des Journalismus verstehen. Gleichzeitig finden sich jedoch auch Belege für Komplementärbeziehungen. Eine Analyse des medialen Diskurses über Weblogs aus der Netzwerkperspektive machte deutlich, dass die bloggenden Akteure sehr eng miteinander verknüpft sind, die journalistischen hingegen so gut wie gar nicht. Weitere Ergebnisse aus dem Projekt „Journalismus im Internet“ dokumentiert der gerade erschienene Sammelband gleichen Titels, der auf meinem Schreibtisch bereits freudig der Lektüre harrt.

Einen spezifischen Teilbereich der journalistischen Aussagenentstehung nahm Bernhard Pörksen unter die Lupe. In seinem faszinierenden Vortrag thematisierte er den Prozess der Autorisierung von politischen Interviews und die Spannungen, die dabei zwischen den beteiligten Akteursgruppen auftreten können. Als Datenbasis diente ihm ein Lehrforschungsprojekt mit Hamburger Journalistikstudierenden, bei dem journalistische Interviews mit Prominenten durchgeführt (und später auch publiziert) wurden. Die langwierigen Bearbeitungsprozesse vom ersten Gesprächstranskript bis zur autorisierten Endversion interpretierte Bernhard Pörksen als „Inszenierungsabgleich“, bei dem häufig gegenläufige Interessen im Interaktionsfeld von Medien und politischer Prominenz austariert werden. Unter Rückgriff auf die Terminologie Erving Goffmans veranschaulichte er das Impression Management der Interviewer und der Interviewten an verschiedenen Fallbeispielen. Es darf als Glücksfall für die Journalismusforschung betrachtet werden, dass Pörksen das offenbar gut dokumentierte Material aus seinem ursprünglich eher populärwissenschaftlichen Publikationsprojekt nun einer intensiveren Analyse unterzieht, denn üblicherweise bleibt der Wissenschaft der Blick auf die Hinterbühne der beschriebenen Aushandlungsprozesse verstellt.

Neben diesen Präsentationen befassten sich noch verschiedene andere Referenten mit interessanten Fragen der Journalistik, doch leider wurden viele davon in parallelen Panels diskutiert, so dass ich nicht überall dabei sein konnte. (Nähere Informationen dazu hält der Abstract-Band zur Tagung bereit.) Dies ist vielleicht der einzige Wermutstropfen einer ansonsten vorzüglich organisierten Veranstaltung. Vielleicht lassen sich derartige Überschneidungen bei der nächsten Jahrestagung in Ilmenau ja minimieren?

Foto: DGPuK

Studie zur journalistischen Internet-Recherche — jetzt auch online

Bereits vor einigen Monaten habe ich an dieser Stelle auf die breit angelegte Leipziger Erhebung zur journalistischen Recherche im Internet hingewiesen, deren Ergebnisse der Vistas-Verlag in Buchform veröffentlicht hat. In der neuen Ausgabe der “Media Perspektiven” (Heft 10/2008) legen Marcel Machill und Markus Beiler die wichtigsten Befunde nun noch einmal in Aufsatzform vor. Im Vergleich zum Buch kann der Beitrag keine neuen Erkenntnisse bringen. Schön ist aber, dass alle zentralen Tabellen nun auch online und frei verfügbar sind. Hier geht’s zum Text!

Literatur:

Machill, Marcel/Beiler, Markus/Zenker, Martin (2008): Journalistische Recherche im Internet. Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online. Berlin: Vistas.

Machill, Marcel/Beiler, Markus (2008): Die Bedeutung des Internets für die journalistische Recherche. Multimethodenstudie zur Recherche von Journalisten bei Tageszeitung, Hörfunk, Fernsehen und Online. In: Media Perspektiven, Heft 10/2008, S. 516-531.

Befragung: Bewegtbild im Internet

Die Leipziger Kollegen Ansgar Zerfaß und Harald Rau führen derzeit eine interessante Erhebung zur journalistischen Nutzung von Bewegtbildern im Internet durch. Dafür werden “Entscheider in Redaktionen, Nachrichtenagenturen und Freelancer” gebeten, sich an einer Online-Befragung zu beteiligen. Im Mittelpunkt stehen u. a. folgende Leitfragen: “[W]ie werden Bewegtbilder produziert, welche Kompetenzen sind gefragt, was bedeutet das für journalistische Standards?”

Die Befragung ist Teil des Leipziger Forschungsprojekts “Bewegtbildkommunikation im Internet – Herausforderung für Journalismus und PR” und wird zusammen mit news aktuell umgesetzt. Mitmachen kann man noch bis zum 25. Juli 2008. Zum Fragebogen geht es hier!

Neue Studie: Netz verändert die Recherchekultur

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Google ist (noch) nicht das journalistische Rechercheinstrument Nummer eins. Aber dennoch: Computergestützte Wege der Informationsbeschaffung haben sich in den Redaktionen auf breiter Ebene etabliert und beeinflussen die Recherchekultur nachhaltig. Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer neuen Studie, die der Leipziger Lehrstuhl für Journalistik II heute im Auftrag der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt hat.

Kernstück der Mehrmethodenerhebung war eine Beobachtung von 235 Journalisten bei 34 Medien-Angeboten (Print, Hörfunk, Fernsehen und Online). Sie wurde ergänzt durch eine standardisierte Befragung und ein Experiment, mit deren Hilfe analysiert werden sollte, wie Online-Recherchierverfahren den journalistischen Alltag verändern.

Die Auswertung der Daten von Marcel Machill, Markus Beiler und Martin Zenker zeigt: Das am meisten verwendete Recherchemittel ist nach wie vor das Telefon (15% aller beobachteten Handlungen). Insgesamt überwiegen jedoch computergestützte Recherchetätigkeiten gegenüber klassischen, nicht computergestützten Wegen der Informationsbeschaffung (47 zu 41%). Als wichtigste computergestützte Recherchetools führen Machill und sein Team E-Mails (12%), Suchmaschinen/Webkataloge (8%) und redaktionelle Websites (ebenfalls 8%) an.

Der zunehmende Einfluss des Internets auf den Recherche-Alltag manifestiert sich der Studie zufolge in einigen beunruhigenden Trends: So weisen die Autoren darauf hin, dass in den Redaktionen kaum noch Überprüfungsrecherchen (Quellencheck, Faktenkontrolle etc.) stattfinden. Im Gegensatz zu anderen Teilschritten einer journalistischen Recherche nehmen sie mit 8 Prozent einen vergleichsweise geringen Stellenwert ein.

Problematisch sei außerdem die zunehmende Selbstreferenzialität im Journalismus. Denn: Journalisten greifen bei ihrer Recherche im Netz vorwiegend auf andere journalistische Produkte zurück und nicht etwa auf Primärquellen wie Websites von politischen, wissenschaftlichen oder kulturellen Einrichtungen.

Bei der Präsentation der Studie im Haus der Bundespressekonferenz diskutierten verschiedene journalistische Praktiker über mögliche Konsequenzen aus den Befunden. Mehr oder weniger einhellig forderten sie eine verbesserte Rechercheförderung. Dabei griffen sie auch einige der von Machill et al. formulierten Handlungsempfehlungen auf. Hilfreiche Maßnahmen seien u. a. Recherchestipendien oder eine Formulierung einheitlicher Ausbildungsinhalte. Machills Anregung, als Gegenstück zu Google eine unparteiische und genossenschaftlich finanzierte Suchmaschinentechnologie für alle deutschen Medienunternehmen zu entwickeln, wurde in der Diskussion als unrealistisch verworfen.

Insgesamt kann die Studie zwar keine wirklich überraschenden neuen Erkenntnisse hervorbringen. Ihr kommt jedoch das Verdienst zu, den Zustand der journalistischen Recherchekultur in Deutschland erstmals auf verlässlicher empirischer Basis zu dokumentieren. Es ist zu hoffen, dass Medienpolitik, journalistische Praxis sowie Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung die Befunde zur Kenntnis nehmen und jeweils eigene Konsequenzen daraus ziehen.

Eine offizielle Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse ist hier abrufbar.

Literatur:

Machill, Marcel/Beiler, Markus/Zenker, Martin (2008): Journalistische Recherche im Internet. Bestandsaufnahme journalistischer Arbeitsweisen in Zeitungen, Hörfunk, Fernsehen und Online. Berlin: Vistas.

Foto: Peter Himsel 

Befragung unter Journalisten mit Migrationshintergrund

Die Kollegen vom DFG-Forschungsprojekt “Mediale Integration ethnischer Minderheiten” führen eine Online-Befragung unter Journalisten mit Migrationshintergrund durch. Per Schneeballverfahren sollen möglichst viele Teilnehmer gewonnen werden, die entweder selbst nach Deutschland zugewandert sind oder aus einer Zuwandererfamilie (d. h. Vater und/oder Mutter zugewandert) stammen. Ich leite den Schneeball gerne weiter — vielleicht erreicht er ja einige der Angesprochenen! Zum Fragebogen geht es hier!