Der Call for Papers für die nächste Tagung der DGPuK-Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung macht gerade die Runde. Es handelt sich um eine Gemeinschaftstagung mit der Fachgruppe Mediensprache/Mediendiskurse, die vom 9. bis zum 11. Februar 2011 in Tübingen stattfinden wird. Der Titel der Veranstaltung lautet “Medienlogik und Medienrealität”. Einreichungen sind zu folgenden Themenfeldern möglich:
- Welche Anforderungen sind an Theorien und Methoden zu stellen, um die Phänomene Medienlogik und Medienrealität zu beschreiben und zu analysieren? Welche Ansätze aus der Journalismusforschung oder anderen Disziplinen können fruchtbar gemacht werden (z. B. empirische Sozialforschung, Linguistik)?
- Welche Diagnosen lassen sich aus Untersuchungen zu medienvermittelten Diskursen in den Bereichen Politik, Recht, Ökonomie, Sozio-Kulturelles u. a. für die Funktionsprinzipien des Journalismus und die Strukturen der medialen Darstellungslogik ableiten?
- Welche Präsentationslogiken entwerfen und setzen Journalisten um? Mit welchen Mitteln (Sprache, Bilder, sonstige Handlungen) werden sie realisiert? Welche Strategien bestimmen die thematische Aufbereitung? Sind dadurch neue Genres entstanden (z. B. Narrativer Journalismus und Storytelling)?
- Führen Veränderungen der Präsentationslogiken zu einer Veränderung journalistischer (Nachrichten-)Sprache? Zieht beispielsweise durch Tendenzen zur Boulevardisierung und Personalisierung zunehmend die Alltagssprache in Print- und elektronische Medien ein? Gibt es aufgrund der Diversifizierung des publizistischen Marktes (z. B. Very-Special-Interest-Zeitschriften) und der Segmentierung des Publikums in Informationssucher und Intensivnutzer von Unterhaltungsangeboten einen stärkeren Einfluss von Jargons auf der einen und Fachsprachen auf der anderen Seite?
- Was bedeuten die oben skizzierten Entwicklungen für die normativen Funktionen des Journalismus? Kann er unter diesen Bedingungen noch die Anforderungen nach objektiver Information und Reduktion von Komplexität erfüllen?
- Wie steuern die neuen Erzähltechniken, Präsentationsstile und Formate die Aufmerksamkeit des Publikums? Wie nimmt das Publikum wahr, was die Medien als Realität präsentieren? Ist die Logik der Medien auch die Logik des Publikums?
Abgabeschluss ist der 4. Oktober 2010. Zum vollständigen Call geht es hier!
“Journalismus in einer digitalen Welt — Prognosen, Erwartungen, Fragen” lautete der Titel einer Fachtagung, die heute auf Einladung des Instituts für Zeitungsforschung in Dortmund stattfand. Inhaltlich drehte sich alles um die aktuellen Wandlungserscheinungen im Journalismus: Claus Eurich sprach über “Die neue mediale Unübersichtlichkeit als ethische und inhaltliche Herausforderung”, Klaus Meier “Über die Veränderung publizistischer Qualität durch das Internet” und Christian Nuernbergk schließlich über die “Chancen einer integrierten Öffentlichkeit” im Web 2.0.
Ich selbst hatte das (zweifelhafte) Vergnügen, am frühen Nachmittag parallel zum zweiten WM-Gruppenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zu referieren. Die ganz große Fluktuation, die ich zunächst befürchtet hatte, blieb dann allerdings doch aus, sodass ich ausreichend Ruhe hatte, um meine Befunde zu präsentieren. Für meinen Vortrag hatte ich die Beschwerdearbeit des Deutschen Presserats im Jahr 2009 analysiert — dem ersten Jahr, in dem der Presserat nicht mehr nur für Presse-Erzeugnisse, sondern auch für online-journalistische Publikationen zuständig war. Im Ergebnis zeigte sich, dass vor allem der Umgang mit Nutzerkommentaren und sonstigem User Generated Content den Presserat vor Herausforderungen stellt, die eine Neuausrichtung der journalistischen (Presse-)Selbstkontrolle notwendig machen.
Für Interessierte stelle ich im Folgenden die Präsentationsmaterialien zur Verfügung:
Das vollständige Programm der Tagung findet sich hier.

Am Samstag ist an der Roehampton University in London die fünfte Jahrestagung der International Association for Literary Journalism Studies (IALJS) zu Ende gegangen. Hinter dem recht allgemeinen Tagungstitel “Literary Journalism: Perspectives and Prospects” verbargen sich 14 inhaltliche Panels mit insgesamt 50 Fachvorträgen. Schon ein flüchtiger Blick in das Programm zeigt, dass die einzelnen Beiträge ein beachtliches thematisches Spektrum abdeckten und dabei auch unterschiedlichste Fachrichtungen zu Wort kamen.
Ich selbst habe mich mit einem Theoriebeitrag beteiligt. Unter dem Titel “Bringing in structure: A systems-theoretical view on literary journalism” habe ich die theoretische Fundierung meines Dissertationsprojektes vorgestellt. Darin versuche ich, den Untersuchungsgegenstand “Literarischer Journalismus” an den Mainstream der deutschen Journalismustheorie anzubinden und gleichzeitig die Begriffe System und Struktur für internationale Forschungskontexte salonfähig zu machen. Gerade Letzteres schien mir im Rahmen der Londoner Konferenz ein besonders reizvolles Unterfangen, denn außerhalb des deutschen Sprachraums ist Luhmanns funktional-strukturelle Systemtheorie in der Journalismusforschung nach wie vor eher unbekannt. Das zeigten auch verschiedene Flurgespräche mit nicht-deutschen Fachkollegen im Anschluss an mein Panel: “Wie hieß noch mal dieser Soziologe, auf den du dich bezogen hast?” Insgesamt war ich aber angenehm überrascht, wie offen und interessiert meine Ideen aufgenommen und diskutiert wurden. Überhaupt war die gesamte Konferenz von einem sehr kollegialen Konversationston geprägt, bei dem Theorieschubladen ebenso wenig eine Rolle spielten wie Fächergrenzen. Ausschlaggebend dafür war sicherlich das besondere sinnstiftende Potenzial, das das Forschungsfeld der Literary Journalism Studies mit sich zu bringen scheint. In vielen Ländern, auch in Deutschland, fristet dieser Bereich nach wie vor ein Nischendasein. Umso größer ist daher die Freude, im internationalen Kontext auf gleichgesinnte Forscher zu treffen, die an einem vorurteilsfreien Austausch interessiert sind. Die Londoner Konferenz bot dafür einen idealen Rahmen. Eine äußerst gewinnbringende Veranstaltung!
Im Folgenden dokumentiere ich meine Präsentation:
Gestern ging in Leipzig eine internationale Fachtagung zum gegenwärtigen Zustand des Medienjournalismus zu Ende. Als Referenten und Podiumsteilnehmer waren eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten aus der journalistischen Praxis und der Journalismusforschung eingeladen. Organisiert wurde das Programm von Michael Haller und seinem Team am Institut für Praktische Journalismusforschung, die damit gleichzeitig das zehnte Jubiläum der Fachzeitschrift “message” feierten. Obwohl ich nur am zweiten Konferenztag dabei sein konnte, habe ich die Veranstaltung als äußerst gewinnbringend empfunden. Nachdem in den Jahren bis 2005 etliche Forschungsarbeiten zu diesem Thema entstanden sind, ist es seitdem aus wissenschaftlicher Sicht ein wenig ruhiger um den Medienjournalismus geworden. Schön also, dass die journalistische Selbstberichterstattung mal wieder auf die Agenda geraten ist.
Gemeinsam mit Susanne Fengler durfte ich im Rahmen der Veranstaltung erste Forschungsergebnisse aus unserem Projekt zur “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) präsentieren. In unserem Vortrag “Transparenz und Selbstkritik bei den EU-Nachbarn” haben wir einige Detailbefunde zu Presseräten, Medienjournalismus und Medienblogs im europäischen Vergleich zusammengetragen. Die hier dokumentierten Präsentationsfolien zeigen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus unserer bisherigen Bestandsaufnahme. Ein systematischer Vergleich folgt!
An der Hochschule Luzern fand am Freitag und Samstag die Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Kommunikations- und Medienwissenschaft (SGKM) statt. Inhaltlich drehte sich alles um das Thema “Online-Kommunikation: Aktuelle Tendenzen und Dynamiken”, wie auch ein Blick in den Abstractband belegt, der alle Referate in Kurzform dokumentiert. (Die äußerst anregenden Key- bzw. Endnotes von Christoph Neuberger und Miriam Meckel werden dort leider ausgespart.)
Ergänzend dokumentiere ich an dieser Stelle auch meine eigene Präsentation unter dem Titel “Innensichten, Außensichten. Medienbeobachtung in Tagespresse und Weblogs”, in der ich Ergebnisse einer vergleichenden Inhaltsanalyse von Medienseiten in Qualitätszeitungen und Medienblogs vorstelle. Die teilweise blogkritischen Befunde hatten Ende des vergangenen Jahres bereits für Diskussionen gesorgt, nachdem ich sie für “KoopTech” in einem kurzen Essay verarbeitet hatte. Vielleicht können die Daten aus meiner Präsentation zu einer Versachlichung der Debatte beitragen.
Update 7. April 2010:
Weitere Präsentationsmaterialien sind ab sofort hier abrufbar.
Im kommenden November findet in Mainz die nächste Tagung der DGPuK-Fachgruppe “Computervermittelte Kommunikation” statt. Ziel ist es, “Forschungen, die sich mit der Vergangenheit der Computervermittelten Kommunikation beschäftigen, und Forschungen zu aktuellen Entwicklungen und Ergebnissen, zur Zukunft des Fachs und seiner Forschungsgegenstände zusammenzuführen”, wie es im nun vorliegenden Call for Papers heißt. Vortragsvorschläge können bis zum 9. Juli 2010 eingereicht werden. Weitere Details im vollständigen CfP.
Christiane Schulzki-Haddouti hat mich eingeladen, für “KoopTech” an einer Art Jahresrückblick mitzuwirken, der für die vergangenen zwölf Monate einige Entwicklungen im Social Web pointiert. Ich habe mich gerne beteiligt — auch weil sich dadurch eine schöne Gelegenheit bot, erste Befunde aus einem Forschungsprojekt zu den Potenzialen und Problemen von Medienblogs zusammenzutragen. Meine Sichtweise auf dieses Thema hat sich im Verlauf der Projektphase auffällig gewandelt: Während ich die Möglichkeiten medienkritischer Blogs zunächst sehr optimistisch betrachtet habe, hat sich nach meiner systematischen Inhaltsanalyse eine gewisse Ernüchterung eingestellt. Mehr dazu in meiner Kolumne, die — wie ich erfreut sehe — bereits jetzt einige Resonanz hervorruft.
Detaillierte Ergebnisse aus meiner Studie werde ich im kommenden Jahr vorstellen — unter anderem auf der nächsten SGKM-Jahrestagung zum Thema “Online-Kommunikation: Aktuelle Tendenzen und Dynamiken”, die im März in Luzern stattfindet. In der vergangenen Woche erreichte mich die frohe Kunde, dass mein dort eingereichtes Paper angenommen wurde.
Diskussionswürdig
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