Archiv für die Kategorie 'r:k:m'

Startschuss für “r:k:m”

rkm1.jpg

Die Soziologie hat eine, die Geschichtswissenschaft auch, und die Politikwissenschaft schon längst. Die Rede ist von einer eigenständigen Rezensionszeitschrift für die jeweilige Disziplin. Nun ist es auch für die Kommunikations- und Medienwissenschaften so weit: Seit heute ist die Online-Zeitschrift “r:k:m — Rezensionen:Kommunikation:Medien” im Netz. Sie versteht sich als integratives Rezensionsorgan für alle wissenschaftlichen Publikationen aus den Themenbereichen Kommunikation und Medien. Dabei sollen nicht nur sozialwissenschaftlich-empirische Forschungsarbeiten vorgestellt und diskutiert werden, sondern auch solche, in denen der geistes- und literaturwissenschaftliche Zugriff dominiert. Daneben finden auch Veröffentlichungen aus benachbarten Disziplinen Platz.

Der breite thematische Rahmen spiegelt sich im Herausgebergremium der Publikation wider, das sich aus Horst Pöttker (Institut für Journalistik, TU Dortmund), Vinzenz Hediger (Institut für Medienwissenschaft, Ruhr-Universität Bochum) und Achim Eschbach (Institut für Kommunikationswissenschaft,  Universität Duisburg-Essen) zusammensetzt. Die drei Hochschullehrer zeigen mit ihren persönlichen wissenschaftlichen Herangehensweisen und den Fachinstituten, an denen sie tätig sind, welche unterschiedlichen Ausprägungen das Forschungsfeld Kommunikation und Medien annehmen kann. Gemeinsam mit der Redaktion entscheiden sie über die Auswahl der zu besprechenden Bücher und machen Vorschläge für geeignete Rezensenten. Auf diese Weise soll “r:k:m” ein möglichst vielseitiges Forum für den wissenschaftlichen Austausch werden.

Die Notwendigkeit eines funktionierenden Rezensionswesens für die Kommunikations- und Medienforschung beschäftigt mich schon seit meinem Studium — einige Überlegungen dazu sind in empirisch fundierte Publikationen gemündet, von denen ich auch während meiner vierjährigen Tätigkeit als Redakteur des “Publizistik”-Rezensionsteils profitieren konnte. Nachdem Horst Pöttker und ich die Redaktion der “Publizistik” Ende 2008 an unsere Nachfolger übergeben haben, konnten wir uns — gemeinsam mit Kollegen aus Bochum und Essen und unter Rückgriff auf eine Befragung unter Mitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft –  an die Konzeption eines unabhängigen Rezensionsportals machen. Das Ergebnis liegt nun online unter http://www.rkm-journal.de vor. Dort findet sich auch ein Video-Interview mit Horst Pöttker, in dem er weitere Hintergründe zu “r:k:m” erläutert.

Ich freue mich, dass ich gemeinsam mit Mark Halawa (Essen) als Gründungsredakteur an diesem spannenden und wichtigen Publikationsprojekt mitwirken darf. Den zahlreichen Rezensenten, die uns bis heute mit ihren Beiträgen unterstützt haben, obwohl “r:k:m” noch nicht einmal im virtuellen Raum existierte, sei an dieser Stelle herzlich für ihr Mitwirken gedankt. Das gleiche gilt für unseren Verleger Herbert von Halem und sein Team, die das Projekt seit der Ideenfindung kreativ und engagiert begleitet und uns vor allem die technische Infrastruktur bereitgestellt haben, ohne die eine inhaltliche Arbeit gar nicht möglich wäre.

Die ersten 31 Buchbesprechungen sind im Netz, viele weitere folgen in den nächsten Tagen und Wochen. Ich bin gespannt auf die Resonanz in der Community.

Rezensionswesen

Dem Verriss haftet immer etwas Peinliches an. Wer Vergnügen am Verreißen hat, der setzt sich immer dem Verdacht aus, dass er ein Wichtigtuer sei, ein Anfänger, ein Grünschnabel, ein kleiner Mensch, der einem großen gegens Schienbein tritt, damit er, wenn der Große fällt, auf den herabschauen kann. Dem Werk der Liebe gibt auch der Leser lieber recht, wer hasst, soll damit nicht fremde Leute belästigen.

Quelle:

Seidl, Claudius (2009): Gute Bücher, die wir hassen. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 8. März 2009, S. 23

Abschied vom Rezensionsteil der “Publizistik”

Die Redaktion von Ausgabe 4/2008 des “Publizistik”-Rezensionsteils ist abgeschlossen. Die redigierten Fahnen liegen inzwischen im Satzbüro und dürften in Bälde in den Druck gehen. Die letzten Korrekturen habe ich diesmal mit durchaus gemischten Gefühlen umgesetzt, denn das letzte Heft des laufenden Jahrgangs ist gleichzeitig auch mein letztes Heft als “Publizistik”-Redakteur. Horst Pöttker und ich geben die Redaktion des Besprechungsteils zum Jahresende ab. Die Planungen für Heft 1/2009 liegen bereits in den Händen unserer Nachfolger.

publizistik_klein.jpgGemischte Gefühle habe ich deshalb, weil ich meine, dass wir den Rezensionsteil der “Publizistik” in den vergangenen Jahren im positiven Sinne weiterentwickelt haben — und diese Entwicklung nun aus der Hand zu geben, fällt nicht ganz leicht. In der Zeit seit 2001, als zunächst Horst Pöttker und Daniel Müller, die Redaktion übernommen haben, konnte die Anzahl der besprochenen Bücher kontinuierlich ausgebaut werden. Nicht zuletzt die Einführung einer Rubrik mit Kurzbesprechungen hat dazu beigetragen, dass wir zuletzt deutlich mehr als 250 Neuerscheinungen pro Jahr kritisch würdigen konnten. Mitgewirkt haben dabei bis zu 162 verschiedene Rezensenten pro Jahr (vgl. Tabelle 1). Unserem Ziel, die aktuellen Entwicklungen auf dem kommunikationswissenschaftlichen Buchmarkt möglichst umfassend abzubilden, sind wir damit wenigstens teilweise näher gekommen.

Gleichzeitig wurde uns jedoch immer wieder klar, dass einem dynamischen Rezensionswesen innerhalb einer gedruckten Fachzeitschrift wie der “Publizistik” natürliche Grenzen gesetzt sind. So mangelte es zum einen an Platz: Mit zuletzt über 60 Druckseiten nur für die Rezensionen stießen wir so langsam an die Grenzen dessen, was innerhalb dieses Zeitschriftenformats möglich ist. Zudem sorgten die etwas starren Publikationszyklen immer wieder für merkliche Aktualitätsdefizite. Diese Beobachtungen, die ich im Rahmen meiner Diplomarbeit vor drei Jahren übrigens auch empirisch fundiert habe, legten es nahe, sich einige Gedanken über einen alternativen Publikationsrahmen für die kommunikationswissenschaftliche Buchkritik zu machen.

Dass auch der Herbert von Halem Verlag seit längerer Zeit ähnliche Gedanken hegt, habe ich zunächst eher per Zufall erfahren. Mittlerweile haben die Pläne für eine eigene Online-Rezensionszeitschrift für die Kommunikations- und Medienwissenschaften jedoch konkretere Form angenommen. Auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse hat der Verlag bereits einige Konzeptideen vorgestellt. Ins Netz geht das neue Projekt im kommenden Jahr. Und — naja, wie soll ich es sagen: Ich freue mich, dass ich zur Gründungsredaktion gehören darf!

Mehr dazu in den kommenden Monaten…