Die wissenschaftliche Blogosphäre wächst. Benedikt Köhler schätzt, dass es mittlerweile 200 bis 300 im deutschen Sprachraum entstehende Blogs gibt, die dem Wissenschaftsbereich zuzuordnen sind. Die Werte ergeben sich aus einer Auswertung des neuen metaroll-Channels für Wissenschaftsblogs, den Benedikt vor einigen Tagen ins Leben gerufen hat. Dort gibt es nun die Möglichkeit, thematisch einschlägige Blogs nach ihrer Technorati-Authority oder nach der Anzahl der verlinkenden Blogrolls zu sortieren. Das gleiche gibt es übrigens auch für medienspezifische Blogs — für meine Arbeit am Institut für Journalistik fast ebenso wichtig.
Besonders gefreut habe ich mich über den expliziten Hinweis auf dieses Blog. Nachdem ich hier in den ersten zwei Monaten noch weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit geschrieben habe, nehme ich eine solche Werbung natürlich dankend an.
Das Project for Excellence in Journalism (PEJ) hat gestern eine neue Auflage des jährlichen “State of the News Media“-Reports präsentiert. Wie inzwischen unter anderem AP und AFP berichtet haben, hat die Studie einige bemerkenswerte Ergebnisse zu Tage gefördert. Demnach habe das Internet den Journalismus zwar merklich verändert. Eine Demokratisierung der Berichterstattung in den US-Medien — etwa durch Blogs und andere Formate des Social Web — habe aber (noch) nicht stattgefunden.
Einige der beschriebenen Trends im Überblick:
- “News is shifting from being a product […] to becoming a service […]. There is no single or finished news product anymore.”
- “A news organization and a news Web site are no longer final destinations. Now they must move toward also being stops along the way, gateways to other places, and a means to drill deeper, all ideas that connect to service rather than product.”
- “The prospects for user-created content, once thought possibly central to the next era of journalism, for now appear more limited, even among ‘citizen’ sites and blogs.”
- “The agenda of the American news media continues to narrow, not broaden.”
Insbesondere der letztgenannte Befund, der sich aus einer Inhaltsanalyse von über 70.000 journalistischen Beiträgen in allen Mediengattungen ergibt, stimmt nachdenklich. Laut der Erhebung bestimmten im vergangenen Jahr vor allem zwei Themen die journalistische Agenda: der Krieg im Irak und der US-Präsidentschaftswahlkampf, die gemeinsam bereits mehr als ein Viertel der analysierten Berichterstattung ausmachten. Demgegenüber seien viele andere gesellschaftlich relevante Themen zu kurz gekommen. Zwar verfüge vor allem das Internet über das Potenzial, eine größere thematische Vielfalt zu ermöglichen. Gegenwärtig beschränkten sich die meisten journalistischen Webseiten allerdings darauf, die vorgegebene Agenda einfach abzubilden. Dadurch verstärke sich der Trend zur Vernachlässigung wichtiger Nachrichten sogar noch weiter.
Das ernüchternde Fazit muss demnach lauten: Der verheißungsvolle Neue Netz-Journalismus ist bislang noch weit davon entfernt, die mit ihm verbundenen Hoffnungen zu erfüllen.
Steffen Büffel führt in Kooperation mit dem Tübinger Institut für Wissensmedien eine interessante Online-Befragung zum Thema Tagging durch. Ich habe selbst gerade schon teilgenommen und bin sehr gespannt auf die Ergebnisse. Weitere Teilnehmer sind natürlich herzlich willkommen. Mehr dazu hier!
Und wo wir gerade schon beim Thema sind: Auch die Online Journalism Review hat gegenwärtig eine spannende Frage der Woche: “What frustrates you about online journalism?” Interessant: Bislang lautet die Antwort mit der größten Resonanz: “Not enough time to pursue all ideas”. Allerdings ist die Teilnehmerzahl momentan wohl noch zu gering, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu Tage zu fördern. Deswegen: Mitmachen!
“Textstrecken, Tonspuren, Bildströme — Neues Arbeiten im Multimedia-Web” lautete der Titel des diesjährigen Frankfurter Tages des Online-Journalismus, der in der vergangenen Woche im Funkhaus am Dornbusch stattfand. Geladen waren einige namhafte Referenten, die über Chancen und Grenzen multimedialer Darstellungsformen im Web sprachen und Werkstattberichte aus verschiedenen crossmedialen Newsrooms präsentierten — darunter auch Klaus Meier (Darmstadt). In dessen Blog lese ich gerade, dass sämtliche Vorträge des Haupttages inzwischen als Videos auf der Homepage des Hessischen Rundfunks dokumentiert sind. Alle, die nicht persönlich vor Ort waren, können das Versäumte hier nachholen.

Wie bereits angekündigt: Am 15. und 16. Februar 2008 fand in Dortmund auf Einladung des Sportnetzwerks und des Instituts für Journalistik eine große Sportjournalismus-Konferenz statt. Unter dem Motto “Unter Druck!” befassten sich mehr als 150 Journalisten, Wissenschaftler und Studierende in fast 40 Vorträgen und Workshops mit dem Thema Qualitätssicherung in der Sportberichterstattung. Inzwischen liegt auf den Seiten den Sportnetzwerks eine ausführliche Dokumentation der Tagung vor. Auch auf der IfJ-Homepage finden sich einige Berichte, die es Nichtdabeigewesenen erlauben, in die spannenden Diskussionen der Veranstaltung einzutauchen.
Foto: Julia Seifert
Fast zeitgleich haben gestern Abend Jan Schmidt und die BILDblogger einige Ergebnisse aus der BILDblog-Leserbefragung veröffentlicht, die ein Projektteam der Bamberger Forschungsstelle “Neue Kommunikationsmedien” (FONK) im Oktober und November 2007 durchgeführt hat. Bemerkenswert finde ich vor allem den immensen Rücklauf: Fast 20.000 Personen nahmen an der Befragung teil, davon bereits über 6.500 am ersten Tag der Feldzeit. Aber auch darüber hinaus liefert die Erhebung einige interessante Daten. Einige Extrakte im Überblick:
- BILDblog-Leser sind in der Mehrzeil männlich (86,4%), jung (Durchschnittsalter 28,5 Jahre) und überdurchschnittlich gebildet.
- Die meisten von ihnen sind über drei Stunden pro Tag online, aber nur 13 Prozent führen ein eigenes Weblog.
- Die BILDblog-Lektüre erfolgt überwiegend direkt im Browser, nur 12 Prozent der Leser nutzen den RSS-Feed.
- Die wichtigsten Motive der Nutzung liegen in einem Bedürnis nach Unterhaltung und Information begründet.
- Eine Mehrheit der Leser fühlt sich durch das BILDblog dabei unterstützt, ein Verständnis für journalistische Qualität zu entwickeln. Positive Auswirkungen auf die Qualität der BILD-Berichterstattung erwarten aber nur die wenigsten.
Eine Vielzahl weiterer Befunde findet sich in einem ausführlichen Bericht der Forschergruppe um Jan Schmidt. Dort werden im Fazit auch einige “Anregungen” und “Empfehlungen” formuliert, die sich allerdings in erster Linie an die BILDblog-Redaktion zu richten scheinen und ihr helfen können, das publizistische Angebot zu optimieren. Ausbaufähig sind sicherlich die Überlegungen zum Zusammenhang zwischen BILDblog im Speziellen bzw. Media Watchblogs im Allgemeinen und journalistischer Qualität. Dieses spannende Thema wird im FONK-Bericht zwar durchaus diskutiert, die entsprechenden Textpassagen (vgl. S. 15-17) werfen jedoch mehr Fragen auf, als sie beantworten. Die relativ eindeutige Aussage vieler Befragungsteilnehmer, dass das BILDblog ihrer Meinung nach nicht zur Qualitätsverbesserung der BILD-Zeitung beitrage, stimmt jedenfalls nachdenklich und legt nahe, dass das medienkritische Potenzial der Weblog-Publizistik doch geringer sein könnte, als oft angenommen wird. Aus dieser Vermutung lassen sich einige spannende Anregungen für die künftige Forschung gewinnen. Aber möglicherweise ist eine entsprechende Folgepublikation ja bereits in Arbeit?
Diskussionswürdig
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