Archiv für Juli 2010

Call: DGPuK-Jahrestagung in Dortmund

Die DGPuK kommt nach Dortmund. Die nächste Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft wird vom 1. bis zum 3. Juni 2011 am Institut für Journalistik der Technischen Universität stattfinden. Unser Organisationskomitee arbeitet bereits seit einiger Zeit am Call for Papers für die Tagung. Seit heute wird er nun über die offiziellen Kanäle des DGPuK-Vorstands gestreut.

Inhaltlich dreht sich diesmal alles um das Verhältnis zwischen Kommunikationswissenschaft und Medienpraxis. Unter dem Titel “Theoretisch praktisch!?” haben wir verschiedene mögliche Themenbereiche skizziert, die im Rahmen der Tagung intensiver diskutiert werden können:

  • In seinen Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaft in Deutschland mahnt der Wissenschaftsrat an, das Fach solle die notwendigen “Voraussetzungen für eine profunde kommunikations- und medienwissenschaftliche Beratung von Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit” schaffen. Aber: Versteht sich das Fach (auch) als anwendungsorientierte Wissenschaft – mit welchen Konsequenzen für die Forschung? Von welchem Praxisbegriff geht die Kommunikations- und Medienwissenschaft aus, und welche Forschungsfragen und -projekte spiegeln dies exemplarisch? Unter welchen besonderen – auch wissenschaftspolitischen – Bedingungen hinsichtlich eines Anwendungsbezugs agiert hier die Kommunikations- und Medienwissenschaft? Wie gestaltet sich das Verhältnis von Kommunikationswissenschaft und Politik, Wirtschaft sowie Öffentlichkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  • Die Theorienvielfalt in der deutschsprachigen Kommunikations- und Medienwissenschaft nimmt seit einigen Jahren zu. Inwiefern erlauben etablierte und innovative Theorieansätze einen (kritischen) Zugriff auf die soziale Praxis der Medien? Bieten sich mit Blick auf den wachsenden Theorienpluralismus neue Anknüpfungspunkte für den Dialog mit den “Stakeholdern” unseres Fachs? Welche Forschungsprojekte könnten exemplarisch für die These stehen, dass “nichts so praktisch ist wie eine gute Theorie”? Welche Funktionen erfüllen kommunikationswissenschaftliche Theorien für den Alltag in den Kommunikationsberufen, welche Spannungen zwischen Grundlagenforschung und Anwendungsorientierung können exemplarisch anhand von Forschungsprojekten aufgezeigt werden?
  • In einer Zeit des Medienwandels und der Medienkonvergenz erscheinen etablierte Medienstrukturen in vielerlei Hinsicht reformbedürftig. Welche prognostischen Qualitäten hat die Kommunikations- und Medienwissenschaft in dieser spezifischen Umbruchsituation, welche Forschungsarbeit wird hierzu geleistet? Welche Policy-Relevanz besitzt sie und wie beeinflussen Forschungsergebnisse (potenziell) Entscheidungen der relevanten Akteure in Medienpolitik und Medienpraxis? Welche ethischen Probleme ergeben sich für die Kommunikationswissenschaft aus der angewandten Forschung – zumal, wenn profitorientierte Medienunternehmen Auftraggeber sind? Welche Praxis-Relevanz hat die international vergleichende Forschung, und wie gestaltet sich das Verhältnis zwischen Theorie und Praxis in internationaler Perspektive?
  • Vor allem die dynamische Diversifizierung der computervermittelten Kommunikation hat im Mediensektor zuletzt zahlreiche Innovationen ermöglicht, die in der Kommunikations- und Medienwissenschaft zeitversetzt thematisiert und analysiert wurden. Welche Fragestellungen stehen gegenwärtig im Zentrum der Forschung – und wie lässt es sich angesichts dieses “time lags” rechtfertigen, das Fach als Motor der Medienentwicklung zu verstehen? Kann es, darf es aktiven Einfluss auf diese Entwicklung nehmen? Welche Forschungsarbeiten könnten dies beispielhaft verdeutlichen?
  • Inwiefern wird das Potenzial von Forschung und Ausbildung in unserem Fach genutzt, um in einer sich wandelnden Medienlandschaft “Zukunftslabor” und “Think Tank” für Qualität in den Medien zu sein? Welcher Stellenwert kommt der Kommunikations- und Medienwissenschaft bei der Optimierung von Produktionsprozessen und Produkten medienvermittelter Kommunikation zu? Welchen Einfluss kann und soll sie auf sprachliche und visuelle Aspekte der Medienproduktion nehmen? Dies sind für die Journalistik zentrale Fragestellungen, ebenso aber für die politische Kommunikation, die Nutzerforschung und die PR- und Werbeforschung.
  • (Wie) nutzt die Kommunikations- und Medienwissenschaft ihr Potenzial als Akteur der Medienkritik? Diese Fragestellung erscheint umso relevanter, als die Foren für Medienkritik in vielen etablierten Massenmedien nicht zuletzt in Folge der Medienkrise schwinden. Wie politisch kann bzw. darf die Kommunikationswissenschaft selbst hierbei sein? Und wie viel Medienpräsenz braucht die Kommunikations- und Medienwissenschaft, um sich in einer von wachsendem Wettbewerb gekennzeichneten Hochschullandschaft zu legitimieren? Wie kann, wie soll sich das Verhältnis zwischen der Kommunikations- und Medienwissenschaft und der Medienpraxis in Zukunft strategisch gestalten? Was lehrt der Blick auf andere Fächer, was der Blick ins Ausland?
  • Gerade im Bereich der Rezeptions- und Wirkungsforschung bieten sich zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Medien- und Kommunikationspraxis, etwa bei Problemstellungen aus den Bereichen der Publikumsforschung, Programmplanung, Medienmanagement, Marketing, aber auch in Medienpädagogik und politischer Kommunikation. Worin gründet die praktische Relevanz der aktuellen Rezeptions- und Wirkungsforschung, worin die Theorierelevanz gegenwärtiger Rezeptionsprozesse? Lassen sich mögliche Wechselbeziehungen zwischen Forschung und Medienpraxis institutionalisieren?
  • Die unterschiedlichen Traditionen der Kommunikations- und Medienwissenschaft unterscheiden sich auch aufgrund ihrer differierenden Bezüge zur Kommunikations- und Medienpraxis. Welche “Karriere” hat die Forderung nach praxisorientierter Forschung in der fachgeschichtlichen Entwicklung der Kommunikations- und Medienwissenschaft durchlaufen? Beispielhaft kann hier die kommunikationswissenschaftliche Gender-Forschung genannt werden, die sich seit den 1970er Jahren intensiv mit praxisbezogenen Fragestellungen – und deren (gesellschafts)politischer Relevanz – beschäftigt hat. Durch die Beantwortung dieser Fragen will die Tagung nicht zuletzt dazu beitragen, über eine Analyse der Geschichte angewandter Kommunikations- und Medienforschung zu einer Präzisierung des gegenwärtigen Selbstverständnisses der Disziplin beizutragen.

Vortragsvorschläge zu diesen und anderen Themen können ab dem 1. September 2010 über die dann freigeschaltete Tagungshomepage www.dgpuk2011.de eingereicht werden. Deadline ist der 15. Oktober 2010. Weitere Infos im vollständigen Call for Papers!

Call: Medienlogik und Medienrealität

Der Call for Papers für die nächste Tagung der DGPuK-Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung macht gerade die Runde. Es handelt sich um eine Gemeinschaftstagung mit der Fachgruppe Mediensprache/Mediendiskurse, die vom 9. bis zum 11. Februar 2011 in Tübingen stattfinden wird. Der Titel der Veranstaltung lautet “Medienlogik und Medienrealität”. Einreichungen sind zu folgenden Themenfeldern möglich:

  • Welche Anforderungen sind an Theorien und Methoden zu stellen, um die Phänomene Medienlogik und Medienrealität zu beschreiben und zu analysieren? Welche Ansätze aus der Journalismusforschung oder anderen Disziplinen können fruchtbar gemacht werden (z. B. empirische Sozialforschung, Linguistik)?
  • Welche Diagnosen lassen sich aus Untersuchungen zu medienvermittelten Diskursen in den Bereichen Politik, Recht, Ökonomie, Sozio-Kulturelles u. a. für die Funktionsprinzipien des Journalismus und die Strukturen der medialen Darstellungslogik ableiten?
  • Welche Präsentationslogiken entwerfen und setzen Journalisten um? Mit welchen Mitteln (Sprache, Bilder, sonstige Handlungen) werden sie realisiert? Welche Strategien bestimmen die thematische Aufbereitung? Sind dadurch neue Genres entstanden (z. B. Narrativer Journalismus und Storytelling)?
  • Führen Veränderungen der Präsentationslogiken zu einer Veränderung journalistischer (Nachrichten-)Sprache? Zieht beispielsweise durch Tendenzen zur Boulevardisierung und Personalisierung zunehmend die Alltagssprache in Print- und elektronische Medien ein? Gibt es aufgrund der Diversifizierung des publizistischen Marktes (z. B. Very-Special-Interest-Zeitschriften) und der Segmentierung des Publikums in Informationssucher und Intensivnutzer von Unterhaltungsangeboten einen stärkeren Einfluss von Jargons auf der einen und Fachsprachen auf der anderen Seite?
  • Was bedeuten die oben skizzierten Entwicklungen für die normativen Funktionen des Journalismus? Kann er unter diesen Bedingungen noch die Anforderungen nach objektiver Information und Reduktion von Komplexität erfüllen?
  • Wie steuern die neuen Erzähltechniken, Präsentationsstile und Formate die Aufmerksamkeit des Publikums? Wie nimmt das Publikum wahr, was die Medien als Realität präsentieren? Ist die Logik der Medien auch die Logik des Publikums?

Abgabeschluss ist der 4. Oktober 2010. Zum vollständigen Call geht es hier!