Archiv für Mai 2010

Bringing structure into IALJS

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Am Samstag ist an der Roehampton University in London die fünfte Jahrestagung der International Association for Literary Journalism Studies (IALJS) zu Ende gegangen. Hinter dem recht allgemeinen Tagungstitel “Literary Journalism: Perspectives and Prospects” verbargen sich 14 inhaltliche Panels mit insgesamt 50 Fachvorträgen. Schon ein flüchtiger Blick in das Programm zeigt, dass die einzelnen Beiträge ein beachtliches thematisches Spektrum abdeckten und dabei auch unterschiedlichste Fachrichtungen zu Wort kamen.

Ich selbst habe mich mit einem Theoriebeitrag beteiligt. Unter dem Titel “Bringing in structure: A systems-theoretical view on literary journalism” habe ich die theoretische Fundierung meines Dissertationsprojektes vorgestellt. Darin versuche ich, den Untersuchungsgegenstand “Literarischer Journalismus” an den Mainstream der deutschen Journalismustheorie anzubinden und gleichzeitig die Begriffe System und Struktur für internationale Forschungskontexte salonfähig zu machen. Gerade Letzteres schien mir im Rahmen der Londoner Konferenz ein besonders reizvolles Unterfangen, denn außerhalb des deutschen Sprachraums ist Luhmanns funktional-strukturelle Systemtheorie in der Journalismusforschung nach wie vor eher unbekannt. Das zeigten auch verschiedene Flurgespräche mit nicht-deutschen Fachkollegen im Anschluss an mein Panel: “Wie hieß noch mal dieser Soziologe, auf den du dich bezogen hast?” Insgesamt war ich aber angenehm überrascht, wie offen und interessiert meine Ideen aufgenommen und diskutiert wurden. Überhaupt war die gesamte Konferenz von einem sehr kollegialen Konversationston geprägt, bei dem Theorieschubladen ebenso wenig eine Rolle spielten wie Fächergrenzen. Ausschlaggebend dafür war sicherlich das besondere sinnstiftende Potenzial, das das Forschungsfeld der Literary Journalism Studies mit sich zu bringen scheint. In vielen Ländern, auch in Deutschland, fristet dieser Bereich nach wie vor ein Nischendasein. Umso größer ist daher die Freude, im internationalen Kontext auf gleichgesinnte Forscher zu treffen, die an einem vorurteilsfreien Austausch interessiert sind. Die Londoner Konferenz bot dafür einen idealen Rahmen. Eine äußerst gewinnbringende Veranstaltung!

Im Folgenden dokumentiere ich meine Präsentation:

Probleme und Perspektiven des Medienjournalismus

Gestern ging in Leipzig eine internationale Fachtagung zum gegenwärtigen Zustand des Medienjournalismus zu Ende. Als Referenten und Podiumsteilnehmer waren eine ganze Reihe illustrer Persönlichkeiten aus der journalistischen Praxis und der Journalismusforschung eingeladen. Organisiert wurde das Programm von Michael Haller und seinem Team am Institut für Praktische Journalismusforschung, die damit gleichzeitig das zehnte Jubiläum der Fachzeitschrift “message” feierten. Obwohl ich nur am zweiten Konferenztag dabei sein konnte, habe ich die Veranstaltung als äußerst gewinnbringend empfunden. Nachdem in den Jahren bis 2005 etliche Forschungsarbeiten zu diesem Thema entstanden sind, ist es seitdem aus wissenschaftlicher Sicht ein wenig ruhiger um den Medienjournalismus geworden. Schön also, dass die journalistische Selbstberichterstattung mal wieder auf die Agenda geraten ist.

Gemeinsam mit Susanne Fengler durfte ich im Rahmen der Veranstaltung erste Forschungsergebnisse aus unserem Projekt zur “Media Accountability and Transparency in Europe” (MediaAcT) präsentieren. In unserem Vortrag “Transparenz und Selbstkritik bei den EU-Nachbarn” haben wir einige Detailbefunde zu Presseräten, Medienjournalismus und Medienblogs im europäischen Vergleich zusammengetragen. Die hier dokumentierten Präsentationsfolien zeigen natürlich nur einen kleinen Ausschnitt aus unserer bisherigen Bestandsaufnahme. Ein systematischer Vergleich folgt!