Gerade erreicht mich der Call for Papers für die nächste Jahrestagung des Netzwerks Medienethik und der DGPuK-Fachgruppe “Kommunikations- und Medienethik”. Die Veranstaltung findet am 18. und 19. Februar 2010 wie gewohnt in der Hochschule für Philosophie München statt. Den thematischen Fokus bildet die “Ethik der Kommunikationsberufe”, wobei unter anderem Unterschiede und Wechselwirkungen zwischen Journalismus, PR und Werbung herausgearbeitet werden sollen.
Der Call wirft eine ganze Reihe von Fragen auf, die spannende Diskussionen versprechen:
1. Journalismus
- Worin liegen die medienethisch relevanten Problemfelder des Journalismus, und mit welchen Maßnahmen kann die journalistische Unabhängigkeit gefördert werden?
- Wer trägt letztendlich die Verantwortung für die journalistischen Produkte? Sind eher individualethische, professionsethische oder organisationsethische Modelle zielführend?
- Wie lassen sich journalistische Debatten eines „Bürgerjournalismus“ in Internetforen, Wikis und Blogs aus einer medienethischen Perspektive bewerten, und welche normativen Konsequenzen ergeben sich überhaupt durch die Nutzung digitaler Kommunikationsforen für den Journalismus?
2. Öffentlichkeitsarbeit (PR)
- Welche normativen Leitlinien an die PR von Wirtschaftsunternehmen lassen sich aufzeigen und in der Praxis konkret umsetzen?
- Inwiefern lässt sich das grundlegende Spannungsverhältnis zwischen den Unternehmensinteressen nach optimaler Selbstdarstellung einerseits und dem öffentlichen Interesse an einer glaubwürdigen, offenen und transparenten PR andererseits auflösen und auf welcher Unternehmensebene sollte PR angesiedelt sein, um einen möglichst hohen Einfluss auf die Umsetzung normativer Leitlinien zu haben?
3. Werbung
- Wie glaubwürdig und informativ sollte Werbung überhaupt sein, und auf welchen Kanälen und zu welchem Zeitpunkt ist die Verbreitung von werblichen Inhalten ethisch angemessen?
- Wo liegen die moralischen Grenzen werblicher Inhalte, u. a. in Bezug auf die Darstellung von Sexualität oder Religion?
- Bei welchen Produkten (z. B. Tabakwaren, Alkohol) sollten bestehende Werbeeinschränkungen ggf. erweitert werden, und welche Regelungen zum Jugendschutz sind dabei zusätzlich zu beachten?
4. Öffentlichkeit(en)
- In welcher Form kann die Grundkategorie und Reichweite von „Öffentlichkeit“ in den unterschiedlichen Kommunikationsberufen medienethisch bewertet und verglichen werden?
- Inwieweit lassen sich die normativen Ansprüche an Öffentlichkeiten (u. a. Signal- und Warnfunktion, Kontroll-, Kritik- und Legitimationsfunktion, Transparenz, Allgemeine Zugänglichkeit und Allgemeinverständlichkeit) auf die Arbeitsfelder der Kommunikationsberufe übertragen und anwenden?
5. Ökonomie
- Welche moralischen Konflikte ergeben sich zwischen der Profitmaximierung und Wohlfahrtsorientierung bei den Kommunikationsberufen?
- Inwiefern existiert ein Spannungsfeld zwischen Marktfreiheit und Regulierung?
- Durch welche Maßnahmen kann die Trennung zwischen werblichen und redaktionellen Inhalten transparent gestaltet werden?
- Auf welchen Ebenen sind innovative Geschäftsmodelle erforderlich, um die Überlebensfähigkeit von Qualitätszeitungen zu sichern?
- Sollten hierfür ggf. gesetzliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, die ein gebührenfinanziertes Modell anstreben?
6. Visualisierung
- Welche spezifischen Postulate und Modelle einer Bildethik für die Kommunikationsberufe lassen sich aufzeigen?
- Wie sind Formen der Bildbearbeitung speziell im Journalismus und in der Werbung medienethisch zu bewerten?
- Welche Regeln werden in der Praxis postuliert und angewendet, um Veränderungen von visuellen Darstellungen deutlich zu machen?
- Inwiefern lassen sich hierbei konkrete Beispiele aufzeigen und typologisieren?
7. Postulate
- Inwiefern lassen sich abstrakte (medien-)ethische Idealnormen wie Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Öffentlichkeit, Partizipation, Verantwortung und Nachhaltigkeit auf die Praxis der Kommunikationsberufe anwenden?
- Gibt es überhaupt Handlungsspielräume, um die Forderungen an die Kommunikationsberufe (u. a. Transparenz, allgemeine Zugänglichkeit, Redlichkeit, Aufgeschlossenheit, Dialogbereitschaft, Neugierde und Offenheit für Argumente, Partizipation, Nachprüfbarkeit der Information, offene dezentrale Strukturen) in der Praxis durchsetzen?
8. Institutionelle Selbstkontrolle
- Kann die Arbeit die bestehenden Medienselbstkontrollinstanzen mit ihren Kodizes für die Kommunikationsberufe als effektiv angesehen werden, und an welchem Punkt gibt es Verbesserungsmöglichkeiten?
- Welche Vernetzungsmöglichkeiten der Medienselbstkontrollinstanzen im Journalismus und auf der Ebene der Unternehmenskommunikation sind aus einer medienethischen Perspektive angemessen?
- Ist es sinnvoll, einen übergreifenden Medienkodex für alle Kommunikationsberufe zu entwickeln?
9. Internationale Vergleiche
- Unter welchen normativen Rahmenbedingungen agieren die Kommunikationsberufe Journalismus, PR und Werbung im Ausland im Vergleich zu Deutschland?
- Welche Konzepte und Modelle zu einer Ethik der Kommunikationsberufe aus dem Ausland lassen sich aufzeigen und ggf. auf die Situation in Deutschland übertragen?
Wer Antworten auf diese Fragen hat, kann sich bis zum 15. November 2009 mit einem Extended Abstract bei Christian Schicha und Alexander Filipović für einen Vortrag bewerben. Weitere Informationen enthält der vollständige Call.


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