Archiv für März 2009

Mit dem JoJo durch die Medienkrise

jojo.jpgDie redaktionellen Arbeiten an der neuen Ausgabe unseres Dortmunder “Journalistik Journals” sind abgeschlossen. Genau rechtzeitig zur allgemeinen Medien- und Anzeigenkrise erscheint unser Themenheft “Journalismus und Wirtschaft”. Den insgesamt 28 mitwirkenden Autorinnen und Autoren sei an dieser Stelle nochmals für die Mitarbeit gedankt. Ich denke, wir haben wieder ein lesenswertes Heft zusammenbekommen, das sich differenziert mit den gegenwärtigen Umbrüchen in der Medienlandschaft auseinandersetzt. Einige ausgewählte Beiträge sind ab sofort online — unter anderem:

In der gedruckten Ausgabe finden sich noch viele weitere lesenswerte Texte. Die Printversion wird allerdings erst nach Ostern verschickt. Wer Interesse daran hat, in den Verteiler aufgenommen zu werden, kann sich gerne in der Redaktion melden!

Weblogs und Social-News-Plattformen im Journalismus

“Themenscan im Web 2.0″ lautet der Titel eines lesenswerten Aufsatzes in der neuen Ausgabe (Heft 2/2009) der “Media Perspektiven“. Darin untersucht Jan Schmidt gemeinsam mit Beate Frees und Martin Fisch von der ZDF Medienforschung die neuen Öffentlichkeiten im Social Web. Forschungleitend ist für sie die Frage, welche Bedeutung vor allem Weblogs und Social-News-Plattformen für den professionellen Journalismus haben. Ihr Fazit: Soziales Netz und Journalismus stehen durchaus in einem Konkurrenzverhältnis, gleichzeitig entfalten Blogs und Social-News-Plattformen für Journalisten jedoch einen hohen praktischen Nutzwert:

Zwar stehen die klassischen Massenmedien im Web 2.0 in Aufmerksamkeitskonkurrenz zu nichtinstitutionellen Anbietern, die möglicherweise aus Sicht mancher Rezipienten ungerichtete oder konkrete Informationsbedürfnisse sowie thematische und gruppenbezogene Interessen besser befriedigen. Die Inhalte etablierter Medienorganisationen sind allerdings auch ein wichtiger Bestandteil der beschriebenen neuen Themen- und Nachrichtenkreisläufe und machen in vielen Fällen die Mehrheit der aufgegriffenen Inhalte aus. Sie werden dadurch einem erweiterten Personenkreis zugänglich, was durch den Effekt verstärkt werden kann, dass die Position in Suchmaschinen durch die Verlinkung der aufgenommenen Themen erhöht wird. Der zusätzliche Rückkopplungskanal, der über das Feedback auf der eigenen Internetpräsenz hinausgeht, kann zudem Informationen über Relevanz und Beurteilung der eigenen Inhalte beim Publikum liefern. In dieser Hinsicht können die Webangebote der klassischen Massenmedien von Weblogs und Social-News-Plattformen im Web 2.0 auch profitieren. (Schmidt/Frees/Fisch 2009: 58)

Was dies konkret für den journalistischen Alltag bedeutet, zeigen die Autoren mit einem Vergleich ausgewählter Social-News-Plattformen (Digg, Yigg und Wikio) und Blogmonitoring-Dienste (Technorati, Blogpulse, Rivva und Google Blogsearch). Vor allem Letztere können, sofern richtig eingesetzt, im Rechercheprozess ein wichtiges Hilfsmittel sein. Aktuelle Befragungs- und Beobachtungsstudien zeigen jedoch, dass die meisten Journalisten bei der Internetrecherche kaum über eine einfache Google-Suche hinauskommen. Gerade deswegen wäre es wichtig, dass die von Jan Schmidt et al. vermittelten Befunde auch in den journalistischen Redaktionen zur Kenntnis genommen werden. In diesem Sinne halte ich den Aufsatz nicht zuletzt für (angehende) Journalisten für eine wichtige Lektüre.

Literatur:

Schmidt, Jan/Frees, Beate/Fisch, Martin (2009): Themenscan im Web 2.0. Neue Öffentlichkeiten in Weblogs und Social-News-Plattformen. In: Media Perspektiven, Heft 2/2009, S. 50-60. Online unter http://www.media-perspektiven.de/uploads/tx_mppublications/02-2009_Schmidt.pdf

Rezensionswesen

Dem Verriss haftet immer etwas Peinliches an. Wer Vergnügen am Verreißen hat, der setzt sich immer dem Verdacht aus, dass er ein Wichtigtuer sei, ein Anfänger, ein Grünschnabel, ein kleiner Mensch, der einem großen gegens Schienbein tritt, damit er, wenn der Große fällt, auf den herabschauen kann. Dem Werk der Liebe gibt auch der Leser lieber recht, wer hasst, soll damit nicht fremde Leute belästigen.

Quelle:

Seidl, Claudius (2009): Gute Bücher, die wir hassen. In: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 8. März 2009, S. 23