Seit 1997 kürt die “Initiative Nachrichtenaufklärung” (INA) regelmäßig die zehn am meisten vernachlässigten Themen des Jahres — und macht damit auf Nachrichten aufmerksam, die in den Mainstream-Medien ausgeblendet blieben. Auch im vergangenen Jahr haben verschiedene Recherche-Seminare (u.a. am Institut für Journalistik der TU Dortmund) wieder etliche Themenvorschläge aufgegriffen und auf Vernachlässigung und Relevanz geprüft. Heute hat die INA-Jury nun eine neue Top-Ten-Liste gewählt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Positiv daran ist zunächst einmal, dass es sich tatsächlich um eine Zehner-Liste handelt. Im vergangenen Jahr fehlte es offenbar an ausreichend qualifizierten Einreichungen, weswegen ausnahmsweise nur acht unterbliebene Nachrichten prämiert wurden. Aber auch inhaltlich kann die neue Rangliste durchaus überzeugen. Das wichtigste vernachlässigte Thema des Jahres 2008 lautet: “Zu viele Straftäter in der Psychiatrie”. Dazu erklärt die INA im Einzelnen:
“Immer mehr Straftäter müssen ihre Strafe in der Psychiatrie verbüßen. Das liegt nicht an einem Anstieg psychisch kranker Angeklagter, sondern an einer veränderten Spruchpraxis der Richter. Entsprechend steigt die Zahl zweifelhafter Einweisungen. Gleichzeitig sind die Hürden für die Entlassung aus dem so genannten Maßregelvollzug gesetzlich erhöht worden — was nach spektakulären Einzelfällen auch medial eingefordert wurde. Die Verurteilten kommen somit schnell in die Forensik hinein und schwer wieder heraus. Für diese veränderte Gefangenenunterbringung zahlt der Staat rund 700 Millionen Euro zusätzlich. Über diese Entwicklung zu berichten bedeutet, Täter auch als Opfer darzustellen. Davor scheuen sich deutsche Medien offenbar.”
Auf Platz 2 der Rangliste schaffte es das Thema “Pharmaindustrie unterwandert Patienten-Blogs”; auf den dritten Platz wählte die Jury “Kupferbelastung der Umwelt durch ersetzbare Bremsbeläge”. Ebenfalls vernachlässigt seien die folgenden Nachrichten: “Gefährlichkeit starker Psychopharmaka”, “SED-Vermögen: Immer noch in Liechtenstein und anderswo versteckt?”, “Gefahren durch Uran-Munition in Kriegsgebieten”, “Pauschale Berichterstattung über Entwicklungsländer”, “Idealisiertes Mutterbild statt Berichterstattung über postnatale Depression”, “Undifferenzierte Berichterstattung über Migranten” und “Menschenunwürdiger Umgang mit Totalverweigerern in der Bundeswehr”. Weitere Infos zu den einzelnen Themen finden sich auf der Homepage und sicherlich auch bald im Blog der INA.











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