Archiv für Februar 2009

Halbe WiMi-Stelle in Dortmund

Bei uns am Dortmunder Institut für Journalistik ist ab dem 15. April 2009 eine halbe Mitarbeiter-Stelle (Entgeltgruppe 13 TV-L) zu besetzen. Die Stelle ist am Lehrstuhl Internationaler Journalismus angesiedelt. Bewerbungen nimmt Susanne Fengler bis zum 18. März 2009 entgegen. Weitere Informationen finden sich in der offiziellen Ausschreibung.

Da waren’s wieder zehn!

Seit 1997 kürt die “Initiative Nachrichtenaufklärung” (INA) regelmäßig die zehn am meisten vernachlässigten Themen des Jahres — und macht damit auf Nachrichten aufmerksam, die in den Mainstream-Medien ausgeblendet blieben. Auch im vergangenen Jahr haben verschiedene Recherche-Seminare (u.a. am Institut für Journalistik der TU Dortmund) wieder etliche Themenvorschläge aufgegriffen und auf Vernachlässigung und Relevanz geprüft. Heute hat die INA-Jury nun eine neue Top-Ten-Liste gewählt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Positiv daran ist zunächst einmal, dass es sich tatsächlich um eine Zehner-Liste handelt. Im vergangenen Jahr fehlte es offenbar an ausreichend qualifizierten Einreichungen, weswegen ausnahmsweise nur acht unterbliebene Nachrichten prämiert wurden. Aber auch inhaltlich kann die neue Rangliste durchaus überzeugen. Das wichtigste vernachlässigte Thema des Jahres 2008 lautet: “Zu viele Straftäter in der Psychiatrie”. Dazu erklärt die INA im Einzelnen:

“Immer mehr Straftäter müssen ihre Strafe in der Psychiatrie verbüßen. Das liegt nicht an einem Anstieg psychisch kranker Angeklagter, sondern an einer veränderten Spruchpraxis der Richter. Entsprechend steigt die Zahl zweifelhafter Einweisungen. Gleichzeitig sind die Hürden für die Entlassung aus dem so genannten Maßregelvollzug gesetzlich erhöht worden — was nach spektakulären Einzelfällen auch medial eingefordert wurde. Die Verurteilten kommen somit schnell in die Forensik hinein und schwer wieder heraus. Für diese veränderte Gefangenenunterbringung zahlt der Staat rund 700 Millionen Euro zusätzlich. Über diese Entwicklung zu berichten bedeutet, Täter auch als Opfer darzustellen. Davor scheuen sich deutsche Medien offenbar.”

Auf Platz 2 der Rangliste schaffte es das Thema “Pharmaindustrie unterwandert Patienten-Blogs”; auf den dritten Platz wählte die Jury “Kupferbelastung der Umwelt durch ersetzbare Bremsbeläge”. Ebenfalls vernachlässigt seien die folgenden Nachrichten: “Gefährlichkeit starker Psychopharmaka”, “SED-Vermögen: Immer noch in Liechtenstein und anderswo versteckt?”, “Gefahren durch Uran-Munition in Kriegsgebieten”, “Pauschale Berichterstattung über Entwicklungsländer”, “Idealisiertes Mutterbild statt Berichterstattung über postnatale Depression”, “Undifferenzierte Berichterstattung über Migranten” und “Menschenunwürdiger Umgang mit Totalverweigerern in der Bundeswehr”. Weitere Infos zu den einzelnen Themen finden sich auf der Homepage und sicherlich auch bald im Blog der INA.

Recherche im Social Web — Ethische Perspektiven

An der Hochschule für Philosophie in München fand am Donnerstag und Freitag die Tagung “Web 2.0 — Neue Kommunikations- und Interaktionsformen als Herausforderung der Medienethik” statt. Veranstalter waren die DGPuK-Fachgruppe „Kommunikations- und Medienethik” sowie das “Netzwerk Medienethik“. Dankenswerterweise hat Jan Schmidt die zentralen Erkenntnisse bereits in einem ersten Tagungsbericht zusammengetragen. Ergänzen kann ich an dieser Stelle die Folien zu meinem eigenen Vortrag: Dafür hatte ich gemeinsam mit Horst Pöttker einige Hypothesen zum Themenfeld “Journalistische Recherche im Social Web” anhand einer quantitativen Inhaltsanalyse und verschiedener leitfadengestützter Experteninterviews überprüft. Die Kernbefunde konnte ich in München nun erstmals öffentlich diskutieren. Stichpunktartig lassen sie sich so zusammenfassen:

  • Internetquellen generell, aber auch Quellen im Social Web, werden für die journalistische Recherche zunehmend wichtiger.
  • Der Einbezug von Web-2.0-Quellen in die journalistische Berichterstattung eröffnet zahlreiche neue Potenziale, kann aber herkömmliche Techniken der (Offline-)Recherche nicht ersetzen.
  • Der Einbezug von Web-2.0-Quellen ist gleichzeitig mit verschiedenen ethischen Problemen verbunden, die Journalisten im Recherche-Alltag berücksichtigen müssen.
  • Die ethischen Problemdimensionen sind nicht vollständig neu: Die journalistische Berufsethik hält verschiedene grundlegende Handlungsempfehlungen bereit, um ihnen angemessen zu begegnen.
  • Die Operationalisierung der gängigen berufsethischen Richtlinien im Kontext des neuen Anwendungsfeldes Social Web scheint bei vielen journalistischen Akteuren noch unzureichend – eine neue Herausforderung für die Journalistenausbildung!

Einige nähere Informationen finden sich in der unten eingebetteten Präsentation — und demnächst dann in der verschriftlichten Fassung des Vortrags!