In der UVK-Buchreihe “Praktischer Journalismus” liegt seit einigen Wochen eine neue Einführung in die crossmediale Berichterstattung vor. Laut Klappentext holt sie “die Journalisten in Zeitungen, Radio, Fernsehen oder Internet ab und vermittelt ihnen die notwendigen Kenntnisse, die sie benötigen, um über Mediengrenzen hinweg zu publizieren und Texte, Fotos, Audios und Videos miteinander zu vernetzen”. Der Band “Crossmedia” scheint genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. Wie der Autor Christian Jakubetz, Journalist und Dozent u.a. an der Deutschen Journalistenschule, zu Recht feststellt, ist die Journalistenausbildung vielerorts noch auf der Suche nach einleuchtenden Konzepten, um der fortschreitenden Medienkonvergenz zu begegnen. Eine praxisorientierte Handreichung zu diesem Thema stellt daher auch für mich ein willkommenes Hilfsmittel dar, die eigenen Lehrtätigkeiten zu überdenken und zu verbessern. Kurz: Ich habe mich über das Erscheinen des Bandes zunächst sehr gefreut.
Nach der Lektüre hat sich diese positive Grundstimmung etwas relativiert. Sicher: In seiner Struktur ist das Buch sinnvoll angelegt. Dem Anspruch, der Leserschaft die Praxis des crossmedialen Arbeitens anhand von zahlreichen Beispielen vor Augen zu führen, kommt es durchaus erfolgreich nach. Zwar lassen die gut 180 Textseiten nicht allzu viel Raum, um in die Tiefe zu gehen, und zwingen daher an vielen Stellen zur Vereinfachung. Gerade die beiden Abschnitte zum Umgang mit Audio- und Videomaterial jedoch geben dem Berufseinsteiger vom Equipment-Kauf bis zur Verarbeitung des produzierten Contents viele nützliche Tipps an die Hand. Hier hat der Band seine Stärken.
Positiv hervorzuheben ist auch der professionelle Umgang des Autors mit der kurzen Halbwertszeit seines Themas: Aktualisierungen und neue Trends, die im Buch nicht mehr berücksichtigt werden konnten, werden in seinem Blog fortlaufend ergänzt. Auch so kann crossmediales Publizieren funktionieren!
Problematisch — und teilweise sogar ärgerlich — wird das Buch allerdings in den Passagen, wo der Autor übergreifende Journalismusentwicklungen fokussiert und analysiert. Zwar fließen dann und wann auch Erkenntnisse der Journalismusforschung in die Darstellung ein. Die Auswahl der verwendeten Daten ist jedoch zum Teil hochgradig selektiv und damit irreführend. Zudem erschwert der fast schon gedankenlos anmutende Umgang mit den verwendeten Quellen die Nachprüfbarkeit. Ein Literaturverzeichnis, das die erwähnten Quellen zusammenfasst und präzisiert, sucht man vergeblich. Als expliziten Ersatz dafür listet der Autor am Ende sechs einschlägige Weblogs auf, eines davon ist das von ihm selbst betriebene. Die genannten Blogs sind zwar allesamt lesens- und empfehlenswert. An dem eklatanten Mangel an Zitiersorgfalt und Quellentransparenz können sie jedoch wenig ändern. Gerade in einem Buch, das sich gezielt an Journalismus-Einsteiger richtet, wiegen solche Defizite besonders schwer. Sie missachten einige Grundregeln journalistischen Arbeitens und vermitteln damit genau das falsche Signal.
Dass der Autor der (akademischen) Journalistik auch unabhängig von dieser Frage scheinbar nicht sonderlich viel abgewinnen kann, zeigt nicht zuletzt das abschließende Kapitel zur “Aus- und Weiterbildung” im (Crossmedia-)Journalismus: Der enthaltene Überblick über entsprechende Ausbildungseinrichtungen listet ausschließlich Journalistenschulen und Akademien auf — als ob die hochschulgebundene Journalistenausbildung zu diesem Thema gar nichts beizutragen hätte.
Aus den genannten Gründen kann ich das Buch “Crossmedia” leider nicht für den Einsatz in der Lehre empfehlen.
Literatur:
Jakubetz, Christian (2008): Crossmedia. Konstanz: UVK.
Bild: UVK











“…auf die akademische seite darf man ruhig mal pfeifen, ohne gleich eine grundsatzdiskussion über die bedeutung der wissenschaft führen zu müssen. bauanleitungen für lego-technik stehen ja auch nicht gleich im verdacht, eine missachtung der zugrundeliegenden mechanik oder physik zu sein…”
Der ganze Kommentar unter:
http://www.axel-springer-akademie.de/blog/2008/07/29/gastblog-ein-loblied-auf-die-praxis/#more-1327