Archiv für Juli 2008

Mitarbeiter-Stelle in Siegen

Am Fachbereich 3 der Universität Siegen wird zum 1. Oktober 2008 ein wissenschaftlicher Mitarbeiter (Entgeltgruppe 13 TVL) gesucht. Zu den Aufgaben gehören:

  • die Organisation des curricularen Programms der Graduiertenschule “Locating Media/Situierte Medien”,
  • die Koordination der beteiligten Hochschullehrer/innen und Kollegiat/innen,
  • die Beratung der Kollegiat/innen der Graduiertenschule “Locating Media/Situierte Medien” und
  • die Entwicklung von Lehr- und Forschungskonzepten für die Universität Siegen.

Die Bewerbungsfrist läuft bis zum 12. August 2008. Die vollständige Ausschreibung gibt es hier, weitere Informationen zur Graduiertenschule unter http://www.uni-siegen.de/locatingmedia/.

(via)

Crossmedia für Gedankenlose

jakubetz.jpgIn der UVK-Buchreihe “Praktischer Journalismus” liegt seit einigen Wochen eine neue Einführung in die crossmediale Berichterstattung vor. Laut Klappentext holt sie “die Journalisten in Zeitungen, Radio, Fernsehen oder Internet ab und vermittelt ihnen die notwendigen Kenntnisse, die sie benötigen, um über Mediengrenzen hinweg zu publizieren und Texte, Fotos, Audios und Videos miteinander zu vernetzen”. Der Band “Crossmedia” scheint genau zum richtigen Zeitpunkt zu kommen. Wie der Autor Christian Jakubetz, Journalist und Dozent u.a. an der Deutschen Journalistenschule, zu Recht feststellt, ist die Journalistenausbildung vielerorts noch auf der Suche nach einleuchtenden Konzepten, um der fortschreitenden Medienkonvergenz zu begegnen. Eine praxisorientierte Handreichung zu diesem Thema stellt daher auch für mich ein willkommenes Hilfsmittel dar, die eigenen Lehrtätigkeiten zu überdenken und zu verbessern. Kurz: Ich habe mich über das Erscheinen des Bandes zunächst sehr gefreut.

Nach der Lektüre hat sich diese positive Grundstimmung etwas relativiert. Sicher: In seiner Struktur ist das Buch sinnvoll angelegt. Dem Anspruch, der Leserschaft die Praxis des crossmedialen Arbeitens anhand von zahlreichen Beispielen vor Augen zu führen, kommt es durchaus erfolgreich nach. Zwar lassen die gut 180 Textseiten nicht allzu viel Raum, um in die Tiefe zu gehen, und zwingen daher an vielen Stellen zur Vereinfachung. Gerade die beiden Abschnitte zum Umgang mit Audio- und Videomaterial jedoch geben dem Berufseinsteiger vom Equipment-Kauf bis zur Verarbeitung des produzierten Contents viele nützliche Tipps an die Hand. Hier hat der Band seine Stärken.

Positiv hervorzuheben ist auch der professionelle Umgang des Autors mit der kurzen Halbwertszeit seines Themas: Aktualisierungen und neue Trends, die im Buch nicht mehr berücksichtigt werden konnten, werden in seinem Blog fortlaufend ergänzt. Auch so kann crossmediales Publizieren funktionieren!

Problematisch — und teilweise sogar ärgerlich — wird das Buch allerdings in den Passagen, wo der Autor übergreifende Journalismusentwicklungen fokussiert und analysiert. Zwar fließen dann und wann auch Erkenntnisse der Journalismusforschung in die Darstellung ein. Die Auswahl der verwendeten Daten ist jedoch zum Teil hochgradig selektiv und damit irreführend. Zudem erschwert der fast schon gedankenlos anmutende Umgang mit den verwendeten Quellen die Nachprüfbarkeit. Ein Literaturverzeichnis, das die erwähnten Quellen zusammenfasst und präzisiert, sucht man vergeblich. Als expliziten Ersatz dafür listet der Autor am Ende sechs einschlägige Weblogs auf, eines davon ist das von ihm selbst betriebene. Die genannten Blogs sind zwar allesamt lesens- und empfehlenswert. An dem eklatanten Mangel an Zitiersorgfalt und Quellentransparenz können sie jedoch wenig ändern. Gerade in einem Buch, das sich gezielt an Journalismus-Einsteiger richtet, wiegen solche Defizite besonders schwer. Sie missachten einige Grundregeln journalistischen Arbeitens und vermitteln damit genau das falsche Signal.

Dass der Autor der (akademischen) Journalistik auch unabhängig von dieser Frage scheinbar nicht sonderlich viel abgewinnen kann, zeigt nicht zuletzt das abschließende Kapitel zur “Aus- und Weiterbildung” im (Crossmedia-)Journalismus: Der enthaltene Überblick über entsprechende Ausbildungseinrichtungen listet ausschließlich Journalistenschulen und Akademien auf — als ob die hochschulgebundene Journalistenausbildung zu diesem Thema gar nichts beizutragen hätte.

Aus den genannten Gründen kann ich das Buch “Crossmedia” leider nicht für den Einsatz in der Lehre empfehlen.

Literatur:

Jakubetz, Christian (2008): Crossmedia. Konstanz: UVK.

Bild: UVK

Befragung: Bewegtbild im Internet

Die Leipziger Kollegen Ansgar Zerfaß und Harald Rau führen derzeit eine interessante Erhebung zur journalistischen Nutzung von Bewegtbildern im Internet durch. Dafür werden “Entscheider in Redaktionen, Nachrichtenagenturen und Freelancer” gebeten, sich an einer Online-Befragung zu beteiligen. Im Mittelpunkt stehen u. a. folgende Leitfragen: “[W]ie werden Bewegtbilder produziert, welche Kompetenzen sind gefragt, was bedeutet das für journalistische Standards?”

Die Befragung ist Teil des Leipziger Forschungsprojekts “Bewegtbildkommunikation im Internet – Herausforderung für Journalismus und PR” und wird zusammen mit news aktuell umgesetzt. Mitmachen kann man noch bis zum 25. Juli 2008. Zum Fragebogen geht es hier!

Glückwunsch nach Münster

neuegegenwart.jpg

Bevor der 4. Juli 2008 zur Neige geht, möchte ich noch einen herzlichen Glückwunsch nach Münster schicken. Die “Neue Gegenwart” feiert heute ihr zehnjähriges Bestehen — wen interessiert da noch der 232. Unabhängigkeitstag der USA? Drüben bei Björn Brückerhoff gibt es ein paar Lachsschnittchen, außerdem kann man sich von der leicht optimierten Optik und einigen neuen Funktionen der Seite überzeugen. Neue Inhalte gibt es allerdings erst im September, wenn die erste von zwei Jubliäumsausgaben mit dem Schwerpunktthema Internet erscheint (an der ich übrigens auch wieder mitwirken darf). Bis dahin bieten allerdings auch die 55 zurückliegenden Ausgaben ausreichend Lesestoff. Wohlsein!

Grafik: Björn Brückerhoff

“Buy the ticket, take the ride.”

hunter.jpgUnter den Protagonisten des New Journalism ist Hunter S. Thompson eine der schillerndsten Figuren. Als Schöpfer des ihm eigenen Gonzo-Stils hat er in den späten 1960er Jahren Kult-Status erreicht. Seitdem hat sich auch die Journalismusforschung immer wieder für ihn interessiert: Nicht nur in den USA sind unzählige Forschungsarbeiten zu Thompsons Werk und Wirken entstanden (”enough […] to build a bonfire”, wie David Carr in der “New York Times” schreibt). Auch im deutschsprachigen Raum gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Analysen (häufig Studienabschlussarbeiten), die sich mit der von ihm begründeten Spielart des literarischen Journalismus auseinandersetzen.

Nun bekommt Thompson, der sich 2005 erschoss, endlich einen würdigen Dokumentarfilm. Die Produktion mit dem Titel “Gonzo: The Life and Work of Dr. Hunter S. Thompson” kommt ab heute in die US-amerikanischen Kinos. Regie hat der Oscar-Preisträger Alex Gibney geführt; Johnny Depp, der sich schon in der großartigen Verfilmung der Thompson-Reportage “Fear and Loathing in Las Vegas” als gonzo-geeignet erwiesen hat, besorgt den Kommentar. Die Rezensionen in der heimischen Presse klingen mehr als wohlwollend. Es gibt also genug Gründe, sich auf den Film zu freuen.

Bis es auch bei uns “Buy the ticket, take the ride” heißt, dürfte noch ein wenig Zeit vergehen. Begnügen wir uns bis dahin mit dem Trailer…

Foto: Magnolia Pictures