Die Kollegen vom DFG-Forschungsprojekt “Mediale Integration ethnischer Minderheiten” führen eine Online-Befragung unter Journalisten mit Migrationshintergrund durch. Per Schneeballverfahren sollen möglichst viele Teilnehmer gewonnen werden, die entweder selbst nach Deutschland zugewandert sind oder aus einer Zuwandererfamilie (d. h. Vater und/oder Mutter zugewandert) stammen. Ich leite den Schneeball gerne weiter — vielleicht erreicht er ja einige der Angesprochenen! Zum Fragebogen geht es hier!
Archiv für Juni 2008 pt. 2 von 2
Die Kollegen der Dortmunder Germanistik betreiben seit Juli 2007 eine Plattform zur Studierendeninformation auf Wiki-Basis. StudiGer versammelt verschiedenste Informationen rund um die zahlreichen Studiengänge am Institut für deutsche Sprache und Literatur — zum Beispiel aktuelle Nachrichten zu Lehrveranstaltungen, Prüfungen und Sprechstunden, Ankündigungen der einzelnen Lehrenden sowie Hinweise zu speziellen Beratungsangeboten. Mit fast 300 Wiki-Seiten, die seit dem Launch der Plattform über 10.000 mal editiert wurden, hat StudiGer mittlerweile eine beachtliche Informationstiefe erreicht. In einem Werkstattgespräch erläuterte Mit-Initiator Michael Beißwenger nun einige Hintergründe des Projekts und ermöglichte einen Einblick in die Arbeitsweise der Redaktion.
StudiGer wurde im Sommersemester 2007 im Rahmen eines Projektseminars unter der Leitung von Angelika Storrer, Matthias Heiner und Michael Beißwenger entwickelt. Über dieses Seminar sollten die Teilnehmer praktische Erfahrungen mit der Produktion von Wiki-Hypertexten sammeln und reflektieren. Ziel war es, in Ergänzung zur Instituts-Homepage ein niedrigschwelliges Web-Angebot zur tagesaktuellen Bereitstellung von Informationen zum Germanistik-Studium in Dortmund zu erarbeiten, ein kollaborativ zu betreuendes Informationssystem von Studierenden für Studierende. Ein Prototyp der Seite konnte im Juli 2007 online gehen. Die eigentliche Arbeit begann aber erst danach.
Michael Beißwenger wies in seinem Vortrag auf einige Faktoren hin, die sichergestellt werden mussten, um die Effizienz des Projekts zu gewährleisten:
- PR-Maßnahmen zum Projektstart
- Einbeziehung der Lehrenden
- Einbeziehung der Funktionsstellen aus Institut und Fachbereich
- Definition und Transparenz von Aufgaben und Verantwortlichen
- Definition von Redaktionsabläufen
- Gesamtkoordination (regelmäßige Redaktionssitzungen usw.)
- regelmäßige Ansprechbarkeit der Redaktion (”Wiki-Sprechstunde”)
- Qualitätskontrolle
- Aufbau und Entwicklung von Wiki-Komptenzen
Dass Michael Beißwenger und Kollegen dies einigermaßen gelungen ist, zeigen u. a. die Zugriffszahlen: Pro Monat können fast 36.000 Seitenabrufe verzeichnet werden. Insgesamt wurde StudiGer seit Gründung der Plattform fast 400.000 Mal geklickt. Für den laufenden Betrieb ist mittlerweile eine Redaktion aus studentischen Hilfskräften verantwortlich, die gemeinsam rund 30 Stunden Wochenarbeitszeit in das Projekt investieren. Sie zeichnen für rund 80 Prozent der vorgenommenen Edits verantwortlich, während die restlichen 20 Prozent direkt von den Lehrenden des Instituts umgesetzt werden.
Obwohl Letzteres sicherlich noch ausbaufähig ist, beeindruckt das Projekt in seiner Anlage und Ausführung. Nachahmenswert ist nicht nur die Verzahnung mit der Hochschullehre, sondern auch der praktische Nutzen im Rahmen der Studienberatung. Wundern mag man sich vielleicht, was denn nun die eigentlich für diese Aufgabe vorgesehenen Studienfachberaterinnen machen. — Die moderieren ein ergänzendes Online-Forum, das offensichtlich ebenfalls sehr gut angenommen wird.
Ich wünschte mir, wir wären im eigenen Fach auch schon so weit.
Weitere Informationen über StudiGer finden sich in der Präsentation von Michael Beißwenger et al.
Journalismusdefinitionen gibt es in der wissenschaftlichen Literatur mittlerweile wie Sand am Meer. Besonders einprägsam finde ich nach wie vor die folgende von Emil Dovifat:
Der Beruf fordert eine eigene stilistische Kraft und Ausdrucksfähigkeit von charaktervoller und tiefgreifender Wirkung. Alle diese Eignungsvoraussetzungen liegen gleich den künstlerischen Begabungen in der Persönlichkeit. […] Der Beruf verlangt ein hohes Maß an opferbereitem Idealismus und moralischer Grundsatzfestigkeit sowie den ganzen Einsatz der Person. Widerstandsfähige, größten Arbeitsanforderungen standhaltende Gesundheit, starke Nerven, Ruhe, Beweglichkeit, gutes Sehen und Hören, keine Gehbehinderung. Gepflegtes Äußeres.
Journalist müsste man sein…
Quelle:
Dovifat, Emil (1965): Journalist. In: Bundesanstalt für Arbeit (Hrsg.): Blätter zur Berufskunde, Bd. 1-3 (Sondergebiete). Bielefeld. (zit. n. Weischenberg, Siegfried (2004): Journalistik. Medienkommunikation: Theorie und Praxis. Band 1: Mediensysteme — Medienethik — Medieninstitutionen. 3. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 39)
Der Call für die gemeinsame Tagung der DGPuK-Fachgruppen “Journalistik und Journalismusforschung” und “Methoden der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft” macht die Runde. Die Veranstaltung steht — wie sollte es bei dieser Konstellation anders sein — unter dem Titel “Methoden der Journalismusforschung”. Sie richtet den Blick “auf grundlegende methodische und methodologische Aspekte der Journalismusforschung, auf empirische Studien, die sich mit dem Thema ‘Journalismus’ aus unterschiedlichen Perspektiven beschäftigen oder spezifische methodische Problemlagen bei der Erforschung dieses Phänomenbereichs in den Mittelpunkt rücken”.
Einreichungen sollten sich in einen der folgenden Schwerpunkte einpassen:
- Vor welchen methodischen und methodologischen Herausforderungen steht die Journalismusforschung?
- Welche methodischen Innovationen gibt es in der Journalismusforschung?
- Welche Methoden anderer Disziplinen können für die Journalismusforschung fruchtbar gemacht werden?
- Welche Methoden können zur Erfassung von Selektionsentscheidungen (sowohl auf Seiten der Journalisten als auch auf Seiten der Rezipienten) eingesetzt werden?
- Welches Potential haben Onlinebefragungen und sonstige internetgestützte Verfahren?
- Ferner sind Beispielstudien willkommen, die aus methodischer Perspektive Probleme und spezielle Untersuchungsdesigns in der Journalismusforschung deutlich machen.
Die Tagung findet vom 5. bis zum 7. Februar 2009 in Berlin statt. Vortragsvorschläge können als Extended Abstracts bis zum 15. September 2008 an Thorsten Quandt gerichtet werden.
Für Interessierte geht es hier zum vollständigen Call!
Auf die Verbindungslinien zwischen Blogging und Erzähljournalismus habe ich kürzlich schon einmal hingewiesen. Klaus Jarchow hat nun einige weitere Indizien gesammelt, die zeigen, dass Weblogs mit einigem Recht als Fortführung der Tradition des New Journalism (in Sinne von Tom Wolfe) gesehen werden können. Für die Medienlese stellt er suggestiv einige Beispiele für gängigen deutschen Zeitungsjournalismus, “neuen Journalismus” US-amerikanischer Prägung und aktuelle deutschsprachige Blog-Einträge gegenüber. Sein Fazit:
Die Grenze zwischen dem “alten Journalismus” und dem hochgerühmten “new journalism”, die verläuft im deutschsprachigen Raum zwischen den Holzmedien und den Blogs, oder zwischen dem “Es” und dem “Ich”.
Klaus Jarchows Analyse ist ein klares Plädoyer für mehr Subjektivität in der journalistischen Berichterstattung, für mehr “Journalismus in der ersten Person”. Dass es daran nach wie vor mangelt, hat erst vor kurzem Christoph Moss gezeigt. In einer empirischen Untersuchung zu den sprachlichen Merkmalen von Weblogs hat er 500 Blog-Texte und 500 Kommentare aus Zeitungen und Zeitschriften inhaltsanalytisch ausgewertet und miteinander verglichen. In einer Zusammenfassung der Ergebnisse für das Handelsblatt stellt er fest:
Durchschnittlich mehr als zweimal pro Blogeintrag taucht in den untersuchten Texten das Wort “ich” auf, fast zehnmal so häufig wie in einem vergleichbaren journalistischen Text.
Für sich genommen mögen die beiden angeführten Sichtweisen zwar kaum überraschen. Ich verstehe sie jedoch als weitere Belege für die These, dass ein subjektives, literarisch geprägtes Journalismusverständnis keineswegs exklusiv an die historische Phase des (klassischen) New Journalism gebunden war, sondern bis in die Gegenwart fortlebt und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Der “neue Journalismus” in Wolfe’scher Auslegung war in den USA in den späten 1960er und den -70er Jahren vor allem deswegen erfolgreich, weil er ein willkommenes Gegenkonzept zum objektiven Mainstream-Journalismus anbot und damit dessen Glaubwürdigkeitsprobleme ausgleichen konnte. Gleiches gilt für die Weblog-Publizistik der Gegenwart, die damit das Programm des New Journalism unter neuen medialen Bedingungen fortführt.
Systemtheoretisch gewendet, lassen sich sowohl New Journalism als auch Blogs als Subsysteme des Systems Journalismus auffassen. Wie ihr Muttersystem haben sie vor allem eine Funktion: das Herstellen von Öffentlichkeit und gesellschaftlicher Transparenz. Bei der Umsetzung dieser Funktion werden jedoch unterschiedliche Strategien verfolgt. Während der (im Zentrum des Muttersystems angesiedelte) Mainstream-Journalismus vor allem auf nachrichtliche, um Objektivität bemühte Darstellungsformen setzt, nutzen New Journalism und Blogs in erster Linie das Erlebnispotenzial subjektiver Vermittlungsmuster. Damit sind sie eher in der Peripherie des Journalismus-Systems verortet. Ob ihre publizistischen Bemühungen aber — wie von Klaus Jarchow erhofft — zu einer (Re-)Subjektivierung des journalistischen Mainstreams führen, scheint eher fraglich. Im Falle des traditionellen New Journalism ist der Zug wohl ohnehin schon abgefahren. Und auch die gegenwärtigen Blog-Trends sind eher als Ergänzung zum etablierten Objektivitäts-Journalismus zu verstehen, weniger als potenzieller Ersatz. Auf Dauer könnten sie sogar eher systemstabilisierend wirken. Durch ihre spezifischen Leistungen gleichen sie Mängel des Journalismus-Systems aus und tragen damit zu dessen Selbsterhaltung bei.
Literatur:
Jarchow, Klaus (2008): Journalismus in der ersten Person. Ich? Ich! In: Medienlese vom 30. Mai 2008. Online unter: http://medienlese.com/2008/05/30/journalismus-in-der-ersten-person-ich-ich/
Moss, Christoph (2008a): Weblogs und die Liebe zum Ich. In: Handelsblatt vom 23. April 2008. Online unter: http://www.handelsblatt.com/News/Journal/Vermischtes/_pv/_p/204493/_t/ft/ _b/1421193/default.aspx/weblogs-und-die-liebe-zum-ich.html
Moss, Christoph (2008b): Viel Luft nach oben. In: Absatzwirtschaft, Heft 5/2008, S. 29-33









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