Call: Web 2.0 aus medienethischer Perspektive

Ein äußerst spannendes Thema hat sich die DGPuK-Fachgruppe “Kommunikations- und Medienethik” für ihre nächste Jahrestagung ausgesucht. Unter dem Veranstaltungstitel “Web 2.0. Neue Kommunikations- und Interaktionsformen als Herausforderung der Medienethik” lädt sie am 12. und 13. Februar 2009 gemeinsam mit dem Netzwerk Medienethik an die Hochschule für Philosophie München ein. Im Mittelpunkt der Vorträge sollen die folgenden Themenbereiche und Leitfragen stehen:

1. Kommunikation

  • Inwiefern verändern digitale Handlungsbereiche (z.B. Briefsysteme, Bibliotheken, Datenbanken, Werbung, Videokonferenzsysteme, virtuelle Spielewelten) die Qualität der zwischenmenschlichen Kommunikation?
  • Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Kommunikationsbereiche der privaten-, wissenschaftlichen-, ökonomischen- und politischen Kommunikation?
  • In welcher Form kann das Informations-, Identitäts- und Beziehungsmanagement zum Thema der Medienethik werden?
  • Wie lassen sich Debatten in Internetforen, Wikis und Blogs aus einer medienethischen Perspektive bewerten?
  • Welche Optionen ergeben sich durch die Nutzung digitaler Kommunikationsforen für die Forschung und Lehre im Kontext der “Medienethik”?

2. Öffentlichkeit(en)

  • In welcher Form kann die Grundkategorie “Öffentlichkeit” im neuen Netz medienethisch bewertet werden?
  • Inwieweit lassen sich die normativen Ansprüche an Öffentlichkeiten (u.a. Signal- und Warnfunktion, Kontroll-, Kritik- und Legitimationsfunktion, Transparenz, Allgemeine Zugänglichkeit und Allgemeinverständlichkeit) auf virtuelle Öffentlichkeiten übertragen?

3. Kommerzialisierung

  • Welche moralischen Konflikte ergeben sich zwischen Profitmaximierung und Wohlfahrtsorientierung und inwiefern existiert ein Spannungsfeld zwischen Marktfreiheit und Regulierung im Internet?
  • Welche medienethische Relevanz besitzt die Werbeüberflutung durch Spams, Bannerwerbung usw.?
  • Kann im Netz die Trennung zwischen werblichen und redaktionellen Inhalten transparent gestaltet werden?

4. Datenschutz und -sicherheit

  • Wie lässt sich der Anspruch auf Datenschutz und -sicherheit theoretisch begründen?
  • Wie ist die Erstellung von Nutzerprofilen angesichts des Handelns mit und der kommerziellen Nutzung von Internetdaten medienethisch zu bewerten?

5. Online-Journalismus

  • Inwiefern verändert sich das journalistische Umfeld und die Recherche durch die Nutzung des Internet?
  • Nach welchen normativen Kriterien sollten sich die Informationsauswahl, die Produktion von Inhalten sowie die Präsentation und Distribution von Inhalten orientieren?

6. Inhalte

  • Auf welchen Ebenen liegen die Problemfelder der konkreten Inhalte von Bildern und Texten im Internet und welche konkreten Maßnahmen sind aus medienethischer Perspektive legitim und wünschenswert, um moralisch fragwürdige Medieninhalte aufzuzeigen und zu begrenzen?
  • Wie kann die notwendige Abwägung zwischen dem Jugendschutz einerseits und dem Zensurverbot andererseits bewerkstelligt werden?

7. Urheberrecht

  • Auf welchen Ebenen und in welchen Kontexten werden urheberrechtliche Fragen im Web 2.0 tangiert?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, die Urheber vor dem Missbrauch ihrer Werke zu schützen?

8. Postulate

  • Inwiefern lassen sich abstrakte (medien-)ethische Idealnormen wie Wahrheit, Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit, Öffentlichkeit, Partizipation, Verantwortung und Nachhaltigkeit auf die Praxis des Web 2.0 anwenden?
  • Gibt es überhaupt Handlungsspielräume, um die Forderungen an eine “Netiquette” (u.a. Transparenz, allgemeine Zugänglichkeit, Redlichkeit, Aufgeschlossenheit, Dialogbereitschaft, Neugierde und Offenheit für Argumente, Partizipation, Nachprüfbarkeit der Information, offene dezentrale Strukturen) in der Praxis durchsetzen?

9. Institutionelle Selbstkontrolle

  • Kann die Arbeit die bestehenden Medienselbstkontrollinstanzen für das Internet als effektiv angesehen werden und an welchem Punkt gibt es ggf. Verbesserungsmöglichkeiten?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, den Jugendschutz im Web 2.0 angemessen umzusetzen?

Einreichungen können bis zum 30. September 2008 an Barbara Thomaß oder Christian Schicha gerichtet werden. Detaillierte Informationen enthält der vollständige Call for Papers. (via)

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