Archiv für Mai 2008

Neues vom kommunikationswissenschaftlichen Buchmarkt

Der Rezensionsteil der “Publizistik”-Ausgabe 2/2008 ist druckfertig. Soeben habe ich die letzten Korrekturen an unser Satzbüro geschickt. Spätestens in vier Wochen sollten die gedruckten Hefte vorliegen. Ich merke zwar, dass es immer schwieriger wird, den gesamten kommunikationswissenschaftlichen Buchmarkt im Auge zu behalten. Nichtsdestotrotz haben wir wohl auch in der neuen Ausgabe wieder einen substanziellen Teil davon abgebildet: Insgesamt wurden 61 Neuerscheinungen rezensiert, davon 15 im Rahmen von Kurzbesprechungen. Der Anteil der fremdsprachigen Bücher lag bei gut elf Prozent. Unter dem Strich wurden Publikationen aus 34 verschiedenen Verlagen berücksichtigt. Bei der Verarbeitung haben 43 Rezensenten mitgewirkt. Viel mehr ist auf 50 gedruckten Heftseiten wohl nicht möglich…

Inhaltlich ist wieder der Rezensionsessay herauszuheben. Er kommt diesmal von Volker Gehrau, der sich unter dem Titel “Was machen die Menschen mit den Medien?” mit einigen neuen Grundlagenwerken zu Theorien, Ansätzen und Daten der Mediennutzungsforschung auseinandersetzt. Lesenswert sind aber natürlich auch die anderen Rezensionen, z. B. Walter Hömbergs Überblick über verschiedene Anthologien zu und mit “Vorbildern des Journalismus” oder Hazel Dicken-Garcias Vergleich aktueller Studien zur US-amerikanischen Journalismusgeschichte. Diesen und allen anderen Rezensenten sei herzlich für die gute Zusammenarbeit gedankt!

Mehr dazu in Bälde hier!

Call: Bestandsaufnahme zur Rezeption und Wirkung politischer Medienangebote

“Zwischen Medienallmacht und -ohnmacht. Rezeption und Wirkung politischer Medienangebote” — so lautet der Titel einer Tagung der DGPuK-Fachgruppe “Rezeptions- und Wirkungsforschung“, die vom 22. bis zum 24. Januar 2009 in Zürich stattfindet. Anliegen der Organisatoren ist es, eine Bestandsaufnahme zur Rezeption und Wirkung (massen-)medial vermittelter Politik zu leisten und damit einen Überblick über die kaum noch zu durchschauende Vielfalt an Studien zu diesem Thema zu ermöglichen. Im Mittelpunkt der Tagung stehen damit Leitfragen und Themenkreise wie:

  1. Welche (massen-)medialen Politikangebote haben politisch relevante Wirkungen beim Publikum?
  2. Worin genau bestehen Wirkungen medialer Politikangebote auf das Publikum?
  3. Über welche Prozesse wirken sich mediale Politikangebote beim Publikum aus?
  4. Reviews und Meta-Analysen zur Wirkung (massen-)medialer politischer Angebote beim Publikum
  5. Methodischer Zugang zum Nachweis von politischen Medienwirkungen

Vortragsvorschläge können bis zum 15. September 2008 an Carsten Wünsch gerichtet werden. Zum vollständigen Call geht es hier! (via)

Vollständige Video-Dokumentation zur re:publica’08

Oh, wie schön: Die Video-Dokumentation zur re:publica’08 ist endlich komplett. Einen Überblick über die verfügbaren Vorträge und Diskussionen gibt es hier. Als Appetizer folgt unten schon einmal die Keynote von Viktor Mayer-Schönberger. Das Thema: “Nützliches Vergessen — Informationsökologie im digitalen Zeitalter”.

Der Mann im weißen Anzug spricht

tomwolfe.jpgPeter M. Robinson hatte in der vergangenen Woche einen interessanten Gast. Für sein Interview-Format “Uncommon Knowledge” sprach er mit Tom Wolfe, unter anderem über dessen für 2009 angekündigten Roman “Back to Blood”. Die Wechselwirkungen zwischen Journalismus und Literatur, die Wolfes Werk prägen, sind sicherlich auch für die Journalistik ein spannendes, weil wenig erforschtes Thema. Das Interview liefert dazu einige Denkanstöße. Lust auf mehr? Hier geht es zu den fünf Video-Episoden:

The Word According to Tom Wolfe: Chapter 1 of 5
The Word According to Tom Wolfe: Chapter 2 of 5
The Word According to Tom Wolfe: Chapter 3 of 5
The Word According to Tom Wolfe: Chapter 4 of 5
The Word According to Tom Wolfe: Chapter 5 of 5

Foto: Susan Sterner

Derby Day — 1970 und 2008

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Ich war noch nie in Kentucky. Und ein großer Freund des Pferdesports bin ich auch nicht. Dennoch hat das traditionsreiche Kentucky Derby für mich eine gewisse Strahlkraft. Das hängt vor allem mit Hunter S. Thompsons großartiger Reportage “The Kentucky Derby is decadent and depraved” zusammen. Erstveröffentlicht im Jahr 1970 in der Juni-Ausgabe von “Scanlan’s Monthly”, zählt sie zu den Klassikern der New-Journalism-Literatur, nicht zuletzt aufgrund ihrer späteren Anthologisierung in Tom Wolfes Sammelband “The New Journalism”. Der rasende, fast psychotische Erzählstil macht den Text zu einem anschaulichen Beispiel für Thompsons so genannte Gonzo-Berichterstattung, die später in Buch-Projekten wie “Fear and Loathing in Las Vegas” ihre weitere Ausformung fand.

Die Hochphase des Gonzo Journalism liegt inzwischen lange hinter uns, die Strahlkraft des Derbys ist jedoch ungebrochen. Das Louisville “Courier-Journal”, die Lokalzeitung vor Ort, lieferte am vergangenen Wochenende den eindrucksvollen Beweis dafür. In ihrer Internet-Ausgabe widmete sie der 134. Auflage der Sportveranstaltung ein umfängliches Special. Neben zahllosen Fotostrecken und Bewegtbild-Einspielern finden sich dort auch mehrere Blogs zum Thema und vielfältige Möglichkeiten zur Leserbeteiligung. Ganz “state of the art” eben. Was hätte Hunter S. wohl dazu gesagt? (via)

Literatur:

Hunter S. Thompson (1996): The Kentucky Derby is decadent and depraved. In: Tom Wolfe: The New Journalism. With an anthology edited by Tom Wolfe und E. W. Johnson. London etc.: Picador, S. 195-211.

Foto: Jeff Kubina

Wenn Regionalzeitungen über laufende Berufungsverfahren berichten

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Wenn sich die Regionalpresse für ein Berufungsverfahren interessiert, muss etwas Ungewöhnliches passiert sein. Im Fall des gegenwärtig am Dortmunder Institut für Journalistik laufenden Verfahrens hat das Ungewöhnliche einen Namen: Michael Steinbrecher. Er hat sich um die Nachfolge Ulrich Pätzolds als Professor für crossmediale Entwicklungen des Journalismus beworben. Der WAZ, der Westfälischen Rundschau und den Ruhr Nachrichten war das einen Bericht wert. Immerhin: Michael Kohlstadt weist in der WAZ darauf hin, dass neben Steinbrecher auch andere Kandidaten zum Vorsingen nach Dortmund eingeladen wurden — namentlich Sonja Kretzschmar, Klaus Meier und Thorsten Quandt. Man darf gespannt sein, ob die lieben Pressekollegen auch am Montag vor Ort sein werden, um über Steinbrechers Berufungsvortrag und seine Probelehrveranstaltung zu berichten.

Als sich das letzte Mal ein investigativ recherchierender Journalist undercover in Lehrveranstaltungen am IfJ eingeschlichen hatte, endete das übrigens so.

(Disclaimer: Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter am IfJ, aber nicht Mitglied der Berufungskommission.)

Foto: ZDF/Kerstin Bänsch