Fiktionale Medieninhalte und der Glaube an eine gerechte Welt

Manchmal muss man den Blick schon auf die internationalen Fachzeitschriften richten, um auf Forschungsarbeiten aufmerksam zu werden, die im deutschen Sprachraum entstanden sind. In der aktuellen Ausgabe des “Journal of Communication” bin ich auf einen lesenswerten Beitrag von Markus Appel (Linz) gestoßen, der für mich im Kontext meines Dissertationsvorhabens interessant ist. Der Titel lautet “Fictional Narratives Cultivate Just-World Beliefs“.

In seinem Aufsatz verarbeitet Appel die Erkenntnisse aus zwei Befragungen zur Fernsehnutzung von 128 Deutschen und 387 Österreichern. In beiden Erhebungen konnte er nachweisen, dass die Rezeption fiktionaler Fernseherzählungen beim Publikum den Glauben an eine gerechte Welt (”where people get what they deserve”, S. 76) fördert. Gleichzeitig bestätigte sich jedoch die Hypothese, dass eine hohe Gesamtdauer der Fernsehnutzung positiv mit Vorstellungen von einer bösen und beängstigenden Welt korreliert ist. Der Autor geht dabei davon aus, dass fiktionale Narrationen in der Regel den gleichen Schemata entsprechen. “Their endings typically include a resolution that brings together unconnected story lines, thus restoring balance and, ultimately, justice.” (S. 64) Andere Fernsehinhalte, unter anderem auch die Nachrichtensendungen der Boulevardmagazine, würden hingegen eine negative Weltsicht kultivieren.

Der Beitrag von Markus Appel ist nicht nur deswegen spannend, weil die Erforschung von fiktionalen Medieninhalten in der Kommunikationswissenschaft generell vernachlässigt ist. Ich habe mich auch deswegen ein wenig intensiver damit befasst, weil der Transfer in mein eigenes Forschungsprojekt zu den Traditionen des literarisch-narrativen Journalismus mir einige neue Denkanstöße geliefert hat.

Direkt übertragbar auf meinen Forschungsgegenstand sind die dargelegten Befunde aber sicherlich nicht. Das hängt zum einen mit den unterschiedlichen Medien zusammen (ich konzentriere mich vorwiegend auf Printberichterstattung, Appel auf das Fernsehen), zum anderen mit den unterschiedlichen Handlungssystemen (mir geht es um Journalismus, Appel berücksichtigt auch und gerade nicht-journalistische Medieninhalte). Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich für die Rezeption von literarisch-journalistischen Printerzeugnissen andere Wirkungsmuster nachweisen lassen würden. Allerdings ist die Forschung dazu bislang allenfalls bruchstückhaft, zumal diese Journalismusgattung selbst schon nicht sonderlich weit verbreitet ist. Ich hoffe, demnächst mehr dazu beitragen zu können.

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