Archiv für Februar 2008 pt. 2 von 2



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Die Initiative Nachrichtenaufklärung hat heute auf ihrer jährlichen Jury-Sitzung eine neue Top-Ten-Liste der am meisten vernachlässigten Themen gekürt. Das heißt: Nein, stopp, zehn Top-Themen sind es diesmal nicht geworden. Doch die acht angebotenen Nachrichten haben es durchaus in sich und dürften vielen Journalisten sicherlich brauchbare Rechercheansätze liefern.

Das am häufigsten verschwiegene Thema des Jahres 2007 sind der INA-Jury zufolge die “Absprachen über Terminierungsentgelte im deutschen Handynetz“. Die Initiative dazu im Original-Zitat: “Deutsche Handynutzer zahlen seit Jahren zu hohe Minutenpreise, da es zwischen den vier Netzbetreibern T-Mobile, Vodafone, O2 und E-Plus Absprachen über die Terminierungsgebühren gibt. Darunter werden die Kosten verstanden, die bei einem Anruf in ein anderes deutsches Mobilnetz entstehen. Hier lagen Verabredungen zwischen den Betreibern über ein dauerhaft hohes Niveau vor. So entsteht den Nutzern ein jährlicher Schaden, der in die Milliarden geht. Dieses Problem wurde aufgrund der intensiven Mediendebatten über zu hohe Roaminggebühren überdeckt.”

Auf die Plätze 2 und 3 schafften es die Themen “Politiker behindern Einrichtung von Ombudsstellen” und “Qualitätsverluste im Journalismus“. Ebenfalls als unterberichtet wertete die INA folgende News: “Chemikalien gefährden die Fruchtbarkeit – eine tickende Zeitbombe?“, “Städte kippen den Baumschutz“, “Die Schweiz beschließt neue Atomkraftwerke“, “Fragwürdige Auslandsgeschäfte der WestLB” und “Bundestag debattiert erstmals über Entschädigung für deutsche Kriegsverbrechen in Afrika – und keiner berichtet“. Ausführliche Berichte zu den einzelnen Themen finden sich auf der Homepage der Initiative Nachrichtenaufklärung. Außerdem hat die INA ein neues Blog eingerichtet: Auf www.derblindefleck.de sollen künftig “Beiträge zur Diskussion des Phänomens der Vernachlässigung” gesammelt und diskutiert werden. Mal sehen, wie sich die Seite entwickelt.

Offen ist nun noch die Frage: Was ist mit den zwei fehlenden Top-Themen passiert? Vorschläge zum Auffüllen der Lücken bitte in die Kommentare — oder direkt hierhin!

Crossmedia in einer völlig neuen Dimension

schneider.jpgAuch im entbehrungsreichen Alltag eines Rezensionsredakteurs gibt es dann und wann Momente der Heiterkeit. Beispielsweise heute. Das PR-Büro des Gabler Verlages hatte seinen Auslieferer angewiesen, mir für den Besprechungsteil der Publizistik einige neue Rezensionsexemplare zur Verfügung zu stellen — darunter auch den jüngst erschienenen Band “Crossmedia-Management” von Martin Schneider, eine im vergangenen Jahr an der Universität zu Köln eingereichte Dissertationsschrift. Der auf dem Umschlag angekündigte Titel machte mich gleich neugierig, zumal das Thema der Studie auch für mein eigenes Arbeitsumfeld von einigem Interesse ist. Meine Neugier wich jedoch einer amüsierten Verwirrung, als ich den Buchdeckel aufschlug, um Näheres über den Inhalt zu erfahren. Statt der erwarteten Ausführungen über die crossmedialen Strategien von Medienunternehmen fand sich hier nämlich ein gänzlich anderes Buch: Mark Eiseneggers 2005 im VS Verlag veröffentlichte Zürcher Dissertation “Reputation in der Mediengesellschaft“, die wir bereits in Heft 2/2006 der Publizistik gewürdigt hatten. Offensichtlich war bei der Herstellung einiges schief gelaufen, den zum Cover passenden Buchblock suchte ich in jedem Falle vergeblich.

VS und Gabler bzw. DUV sind zwar schon seit längerem unter dem Dach der GWV Fachverlage zusammengefasst. Erst vor zwei Wochen wurde mitgeteilt, dass die Gruppe “die Verlagsmarke Deutscher Universitäts-Verlag (DUV) in seine Stammmarken überführt” habe. Dass diese Umgliederung jedoch auch zu einer Verquickung der einzelnen Publikationen der GWV-Marken führen würde, damit war nicht zu rechnen. Hier erhält der Begriff Crossmedia eine völlig neue Dimension…

Für Martin Schneider ist zu hoffen, dass nicht die gesamte Auflage seiner Dissertation einem Herstellungsfehler zum Opfer gefallen ist. Sobald ein ordentliches Rezensionsexemplar vorliegt, setzt sich die Publizistik gerne auch inhaltlich damit auseinander.

Bild: Gabler